Letztes Update am Mi, 20.03.2019 15:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Völkermord in Srebrenica

Strafmaß noch erhöht: Lebenslang für Ex-Serbenführer Karadzic

Das internationale Gericht MICT in Den Haag verschärfte in seinem Urteil nochmal das Strafmaß. Das Urteil ist rechtskräftig.

Radovan Karadzic kurz vor der Urteilsverkündung 2016 in Den Haag. 40 Jahre Gefängnis für Völkermord und Kriegsverbrechen lautete dieses am Ende. Nun wird es doch lebenslänglich.

© imagoRadovan Karadzic kurz vor der Urteilsverkündung 2016 in Den Haag. 40 Jahre Gefängnis für Völkermord und Kriegsverbrechen lautete dieses am Ende. Nun wird es doch lebenslänglich.



Spitzmarke – Gut 20 Jahre nach dem Völkermord in Srebrenica ist der politisch Hauptverantwortliche, der bosnische Ex-Serbenführer Radovan Karadzic (73), zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das verkündeten die Richter des internationalen Gerichtshofs MICT am Mittwoch in Den Haag. In erster Instanz war Karadzic noch zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist endgültig.

Die Richter verurteilten den früheren Psychiater für Völkermord, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Balkan-Krieges in den 1990er Jahren. Er sei schuldig wegen Mordes, Verfolgung und Zwangsvertreibung bosnischer Muslime. Außerdem habe er die 44 Monate dauernde Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo sowie den Völkermord in Srebrenica zu verantworten. In der Hauptstadt kamen während des Krieges rund 11.450 Menschen ums Leben, darunter 1.600 Kinder. Karadzic wird auch die Geiselnahme von UNO-Soldaten angelastet.

1995 hatten serbische Einheiten unter General Ratko Mladic die damalige UNO-Schutzzone überrannt und dann rund 8.000 bosniakische (muslimische) Männer und Burschen ermordet. Karadzic war erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Serbien als alternativer Heiler entdeckt und an das Gericht ausgeliefert worden.

Insgesamt wurde Karadzic in zehn von elf Anklagepunkten schuldig gesprochen, in einem Völkermord-Anklagepunkt, der sich auf sieben bosnischen Gemeinden bezieht, wurde Karadzic aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Der Urteilsverkündung wohnten in Den Haag zahlreiche Vertreter von Opferfamilien bei, die Familienangehörigen des Angeklagten waren nicht zugegen.