Letztes Update am Sa, 11.05.2019 09:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikt in Venezuela

Maduro: Ex-Geheimdienstchef spionierte, neue US-Sanktionen

Der US-Geheimdienst CIA soll den venezolanischen Geheimdienstchef rekrutiert haben. Dieser wurde vor wenigen Tagen entlassen, als er offenbar dem Oppositionschef zur Flucht aus dem Hausarrest verhalf.

Nicolas Maduro sitzt in Venezuela nach einem Umsturzversuch der Opposition nach wie vor fest im Sattel.

© Venezuelan PresidencyNicolas Maduro sitzt in Venezuela nach einem Umsturzversuch der Opposition nach wie vor fest im Sattel.



Caracas – Der vor Kurzem entlassene venezolanische Geheimdienstchef Manuel Ricardo Cristopher Figuera hat nach Angaben von Präsident Nicolás Maduro für die CIA gearbeitet. Bereits seit einem Jahr habe er im Dienste des US-Auslandsgeheimdienstes gestanden, sagte Maduro am Freitag. Cristopher Figuera sei einer der Drahtzieher des gescheiterten Umsturzversuchs in der vergangenen Woche.

Die USA gehören zu den schärfsten Kritikern von Maduro und wollen den sozialistischen Staatschef zum Rücktritt zwingen. Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó hatte am 30. April versucht, die Streitkräfte auf seine Seite zu ziehen und Präsident Maduro aus dem Amt zu drängen.

Ex-Geheimdienstchef brach mit Maduro

Offenbar brach Cristopher Figuera an diesem Tag mit Maduro, veröffentlichte einen regierungskritischen Brief und ließ Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest frei. Die Machtübernahme scheiterte allerdings, weil nur wenige Soldaten die Opposition unterstützten. Cristopher Figuera wurde daraufhin entlassen und tauchte unter.

Am Dienstag hob die US-Regierung die Sanktionen gegen den früheren Geheimdienstchef auf. Vizepräsident Mike Pence stellte führenden Regierungsfunktionären eine ähnliche Behandlung in Aussicht, wenn sie mit Maduro brechen.

USA versuchen mit Sanktionen Druck auszuüben

Die USA versuchen indes mit einer Ausweitung ihrer Sanktionen gegen Venezuelas Verteidigungs- und Sicherheitssektoren den Druck auf Präsident Nicolas Maduro zu erhöhen. Gegen amerikanische und ausländische Firmen, die in diesen Bereichen Venezuelas aktiv seien, könnten jetzt Strafmaßnahmen verhängt werden, teilte das Finanzministerium in Washington am Freitag mit.

Für Firmen, die mit der Öl- und Bankenbranche Venezuelas Geschäfte machen, gilt dies bereits. Zwei Reedereien und Öltanker wurden zudem auf eine Schwarze Liste gesetzt, weil sie Öl von Venezuela nach Kuba transportiert haben sollen. Die USA unterstützen Venezuelas Oppositionschef Juan Guaidó, der sich selbst zum Übergangspräsidenten ernannt hat und sich seit mehreren Monaten einen Machtkampf mit Maduro liefert.

Kurz telefonierte mit Guaidó

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) telefonierte am späten Freitagabend erneut mit Guaidó. Kurz habe sich dabei nach den jüngsten Entwicklungen in Venezuela erkundigt, hieß es aus dem Bundeskanzleramt. Der Bundeskanzler habe auch seine Besorgnis über die brutale Repression des Maduro-Regimes ausgedrückt und die jüngste, gegen oppositionelle Politiker gerichtete Verhaftungswelle verurteilt. Außerdem habe Kurz die Unterstützung Österreichs für einen friedlichen Machtwechsel in Venezuela betont. Guaidó habe Kurz gebeten, weiter Druck auf das Maduro-Regime auszuüben. (APA/Reuters)