Letztes Update am Do, 20.06.2019 14:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikt eskaliert

Abschuss von Drohne durch Iran laut USA im internationalen Luftraum

Die USA erhöhen seit Wochen ihre militärische Schlagkraft am Persischen Golf. Nun melden die Iraner den Abschuss einer US-Drohne. Vieles ist noch unklar. Doch klar ist: Das Kriegsrisiko steigt.

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Teheran, Washington – Das Verteidigungsministerium in Washington hat den Abschuss einer US-Drohne durch den Iran bestätigt. Die Überwachungsdrohne der Marine habe sich „in internationalem Luftraum“ über der Straße von Hormuz befunden, erklärte das Pentagon am Donnerstag. In einer Erklärung hob das Verteidigungsministerium hervor: „Die iranischen Angaben, wonach das Fluggerät über dem Iran flog, sind falsch.“ Die USA verurteilten den Abschuss ihrer Drohne durch den Iran als „nicht provozierten Angriff“.

Der Iran hatte zuvor den Abschuss einer US-Drohne bekannt gegeben. Das unbemannte Fluggerät habe den iranischen Luftraum verletzt. Der Anführer der mächtigen Revolutionsgarden im Iran verurteilte eine Grenzverletzung. General Hossein Salami hob nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim hervor: „Die Grenzen sind unsere rote Linie.“ Er betonte, dass „wir keinen Krieg anstreben, aber wir sind bereit, auf jegliche Kriegserklärung zu antworten“.

Der Drohnen-Zwischenfall ist nicht der erste dieser Art. Bereits im Dezember 2011 hatte der Iran den Abschuss einer US-Drohne gemeldet. Die „RQ-170“ mit Tarnkappentechnik sei im Südosten des Landes in der Nähe der afghanischen Grenze abgeschossen worden. Die USA wiesen das zurück und gaben an, die Drohne sei im Westen Afghanistans abgestürzt. Die Iraner schafften es nach eigenen Angaben, Daten der Drohne zu decodieren und damit an Geheiminformationen der CIA zu gelangen.

Der neue Vorfall fällt in eine Zeit verschärfter Spannungen zwischen dem schiitischen Iran und den USA mit ihren sunnitisch-arabischen Verbündeten. In den vergangenen Wochen hatten die USA einen Flugzeugträgerverband und eine strategische Bomberflotte in die Region verlegt, wo sie bereits über mehrere Stützpunkte verfügen. Im Golf von Oman wurden am 13. Juni zwei Tanker bei Angriffen schwerbeschädigt und die USA machen den Iran dafür verantwortlich.

Konflikt wegen einseitigen Ausstiegs der USA aus Atomabkommen

Auslöser der Konflikte sind der einseitige Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran im vergangenen Jahr und die folgende Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen die Islamische Republik. Im Mai hatte auch der Iran mit einem Teilausstieg aus dem Atomdeal begonnen und gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Über diese Meerenge werden fast zwei Drittel des globalen Ölexports verschifft.

Noch am Mittwoch hatte der iranische Sicherheitsrat (SNSC) erklärt, seiner Einschätzung nach werde es keinen Krieg zwischen dem Iran und den USA geben. „Es besteht überhaupt kein Grund für einen Krieg, denn amerikanische Unterstellungen gegen andere Länder sind eine weltweit bekannte Taktik der USA, um politischen Druck auszuüben“, sagte SNSC-Sekretär Ali Shamchani der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die Amerikaner wollten mit einem „Wirtschaftskrieg“ den Iran zur Kapitulation zwingen, das werde aber nicht passieren.

Die verbliebenen Vertragspartner versuchen anders als die USA, das Abkommen zur Verhinderung einer iranischen Atombombe zu retten. Am Mittwoch hatte der Iran für den 28. Juni dazu ein Treffen angekündigt. Die Vizeaußenminister des Irans und der 4+1 Gruppe – China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland – würden sich in Wien treffen, sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hatte bekräftigt, dass die Vertragspartner nur bis zum 7. Juli Zeit hätten, das Atomabkommen vertragsgerecht umzusetzen. Sonst werde der Iran die im Abkommen vorgesehene Beschränkung der Urananreicherung aufheben und Uran höher anreichern als die vereinbarte Obergrenze von 3,67 Prozent. Das wäre nach Meinung von Beobachtern das Ende des Wiener Abkommens. (APA/dpa)