Letztes Update am Do, 27.06.2019 19:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tunesien

Anschläge auf Sicherheitskräfte in Tunesien: Tote und Verletzte

Am Donnerstag überschlagen sich die Nachrichten in Tunesien: An zwei Orten in der Innenstadt explodieren Sprengsätze. Zuvor greifen mutmaßliche Terroristen Soldaten im Süden des Landes an. Hat Tunesien wieder ein Sicherheitsproblem?

Ein Polizist kam bei dem Anschlag ums Leben.

© AFPEin Polizist kam bei dem Anschlag ums Leben.



Tunis – Im Stadtzentrum der tunesischen Hauptstadt Tunis sind bei zwei kurz aufeinander folgenden Explosionen mindestens zwei Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Ein Polizist starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen, nachdem sich ein Selbstmordattentäter nahe der französischen Botschaft und der historischen Altstadt in die Luft gesprengt hatte, teilte das Innenministerium in Tunis am Donnerstag mit. Kurz darauf gab es auch eine Explosion vor einer Polizeistation im Stadtzentrum.

Die Angriffe galten offenbar gezielt Sicherheitskräften. Wie das Innenministerium mitteilte, sprengte sich der erste Attentäter direkt neben einem Polizeiwagen in die Luft, der an einer Ecke der zentralen Prachtstraße, der Avenue Habib Bourguiba, von Tunis geparkt war. Fotos vom Anschlagsort zeigten einen demolierten Wagen und Leichenteile des mutmaßlichen Angreifers. Der Innenstadtbereich wurde weiträumig abgesperrt.

Kurz darauf gab es eine weitere Explosion im Stadtteil Al-Gorjani an einer Polizeistation. Hier ist eine spezielle Anti-Terror-Einheit der tunesischen Sicherheitskräfte untergebracht. Nach offiziellen Angaben wurden dabei vier Polizisten verletzt. Ob der Attentäter bei dem Angriff ums Leben kam oder fliehen konnte war zunächst nicht klar.

Regierungschef: „Krieg gegen die Terroristen“

Tunesiens Regierungschef Youssef Chahed kündigte am Anschlagsort vor Reportern einen „Krieg gegen die Terroristen“ an. Die Anschläge zielten darauf, Verwirrung zu stiften und dem Land zu Beginn der Urlaubssaison und vor den anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen zu schaden. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Anschläge scharf. „Frankreich ist in dieser Bewährungsprobe an der Seite des tunesischen Volkes“, teilte der 41-Jährige via Twitter mit.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag hatte es auch im Süden von Tunesien einen weiteren Zwischenfall gegeben. Mehrere „Terroristen“ griffen nach Angaben des Verteidigungsministeriums gegen 3:30 Uhr tunesische Soldaten an, die an einer Funkstation stationiert waren. Es habe einen Schusswechsel gegeben, bei dem niemand verletzt worden sei.

Mehrere Anschläge in den vergangenen Jahren

Das nordafrikanische Urlaubsland war im Jahr 2015 von schweren Anschlägen getroffen worden. Damals töten Attentäter bei zwei Attacken auf einen Hotelstrand und das international berühmte Bardo-Museum mehr als 50 Menschen. Die Anschläge trafen das Mittelmeerland stark, das auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen ist.

Erst im vergangenen Jahr stiegen die Besucherzahlen wieder merklich an, die Sicherheitslage verbesserte sich, bis sich im Oktober eine Attentäterin ebenfalls im Zentrum von Tunis in die Luft sprengte und mehr als 20 Personen, darunter zahlreiche Polizisten, verletzte.

Zunächst übernahm keine Gruppe die Verantwortung für die Anschläge. Viele Tunesier hatten sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien, dem Irak und Libyen angeschlossen. Im Grenzgebiet zu Libyen und zu Algerien kam es immer wieder zu Angriffen auf Sicherheitskräfte. Auch der Attentäter auf den Berliner Weihnachtsmarkt, Anis Amri, stammte aus einem kleinen Dorf in Tunesien.

Das Land hat nach dem sogenannten Arabischen Frühling zahlreiche demokratische Reformen eingeleitet, kämpft aber weiterhin mit großen wirtschaftlichen Problemen. Ein Großteil der Bevölkerung ist unzufrieden mit der aktuellen Situation. Regelmäßig kommt es zu Demonstrationen gegen die Regierung. (dpa)




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