Letztes Update am Mo, 01.07.2019 14:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Afghanistan

Ein Toter und mehr als 100 Verletzte nach Anschlag in Kabul

Während im Golfemirat Katar Gespräche zur Beilegung des langjährigen Konflikts in Afghanistan laufen, detonierte in Kabul eine Autobombe. Der Anschlag folgt auf ein bereits blutiges Wochenende.

Rauchschwaden über Kabul nach der Explosion einer Autobombe.

© AFPRauchschwaden über Kabul nach der Explosion einer Autobombe.



Kabul – In Afghanistan dauert die Gewalt im Land ungeachtet laufender Gespräche über eine politische Lösung des Konflikts an. Bei einem Autobomben-Anschlag in Kabul wurden am Montag mindestens eine Person getötet und weitere 105 Menschen verletzt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Lokale Medien berichteten unter Berufung auf Militärkreise von höheren Opferzahlen. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Angriff.

Das Ziel der Explosion war zunächst unklar.
Das Ziel der Explosion war zunächst unklar.
- AFP

Laut Innenministerium war kurz vor 9 Uhr (Ortszeit) eine Autobombe im Osten Kabuls detoniert. Daraufhin seien mehrere Angreifer in ein Gebäude eingedrungen. Sicherheitskräfte hätten das Gebiet weiträumig abgesperrt. Am späten Nachmittag hieß es, alle fünf Angreifer seien getötet worden. Genauere Opferzahlen wurden für später angekündigt.

Seit Juli des Vorjahres verhandeln die USA mit ranghohen Vertretern der Taliban, um den mehr als 17 Jahre dauernden Konflikt zu beenden. Die jüngste, siebte Gesprächsrunde mit dem US-Sondergesandten für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, war am Samstag gestartet worden. Viele der Gesprächsrunden gingen mit einer Zunahme an Gefechten einher. Analysten zufolge sehen die Taliban militärische Erfolge als wichtiges Druckmittel in den Verhandlungen.

Angriff galt Logistik-Zentrum der Armee

Bilder in sozialen Medien zeigten eine große Rauchwolke über dem Anschlagsort. Einer Erklärung der Taliban zufolge galt der Angriff einem Logistik-Zentrum der Armee. Eine „große Anzahl“ an Kämpfern sei in die „Abteilung des Verteidigungsministeriums“ vorgedrungen. Da die Explosion sehr stark gewesen sei, seien auch „ein paar Zivilisten leicht verletzt worden“, hieß es in der Mitteilung weiter.

Der lokale TV-Sender Shamshad berichtete, die Autobombe sei an der nördlichen Wand des Senders detoniert. Der Kanal sendete für rund 20 Minuten nicht mehr. Danach sprach der Moderator von einer zweiten Explosion und Gewehrfeuer. In weiteren Beiträgen zeigte der Sender zerstörte Büroräume voller Glassplitter und sich auf Nachbargebäude abseilende Spezialkräfte.

Ein Sprecher des Afghanischen Fußballverbandes erklärte, eine Explosion habe sich direkt vor dem Eingang des Gebäudes der Fußballföderation ereignet. Es gebe Verletzte unter den Mitarbeitern des Verbands. Ein Mitarbeiter einer Regierungsbehörde in der Nähe des Anschlagsortes sprach von einer sehr starken Explosion. „Ich dachte, das ist der letzte Tag meines Lebens“, sagte er. Von dem Anschlag soll auch eine Schule in der Nähe betroffen sein, berichteten lokale Medien. Ein in sozialen Medien häufig geteiltes Bild zeigte einen Schuljungen, der verletzt in ein Krankenhaus gebracht wurde. Er hielt noch sein Schulheft und einen Bleistift in der Hand.

Gewaltwelle im Land am Wochenende

Der Anschlag in Kabul folgt auf eine Gewaltwelle im Land am Wochenende. Bei Taliban-Angriffen auf Einrichtungen der Polizei und Armee in mehreren Provinzen waren nach offiziellen Angaben mindestens 65 Sicherheitskräfte getötet worden.

Bei den aktuell laufenden USA-Taliban-Gesprächen im Golfemirat Katar soll es vor allem um einen Zeitplan des Abzugs der internationalen Truppen gehen sowie die US-Forderung nach Garantien, dass von Afghanistan aus keine Terroranschläge mehr geplant werden. Forderungen nach einem Waffenstillstand lehnen die Taliban weiter ab. Die USA-Taliban-Gespräche sollen nach offizieller Lesart in innerafghanische Friedensgespräche münden. Ein Taliban-Sprecher schrieb am Montag auf Twitter, innerafghanische Gespräche würden erst beginnen, wenn „im Beisein internationaler Beobachter ein Zeitplan für einen Abzug der ausländischen Truppen“ angekündigt worden sei. (dpa)




Schlagworte