Letztes Update am Fr, 02.08.2019 17:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Terrorismus

Fünf Jahre nach Genozid: immer noch Jesidinnen in IS-Gefangenschaft

Die deutsche Organisation „Pro Asyl“ warnt vor „Bagatellisierung“ des Schicksals der Minderheit. Immer seien noch 3000 Jesidinnen in Gefangenschaft der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Tausende Menschen wurden getötet, Frauen und Kinder entführt und versklavt.

© AFPTausende Menschen wurden getötet, Frauen und Kinder entführt und versklavt.



Frankfurt – Zum fünften Jahrestag des Völkermords an den Jesiden im Irak hat die deutsche Organisation Pro Asyl darauf hingewiesen, dass immer noch 3000 Jesidinnen in Gefangenschaft der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) seien. Es bestehe bei deutschen Politikern die Gefahr, „den Genozid und das Schicksal der Jesidinnen zu bagatellisieren“, erklärte Pro Asyl am Freitag in Frankfurt am Main.

So werde vereinfacht behauptet, dass der IS besiegt und das Problem damit gelöst sei, kritisierte die Organisation. Im Irak habe die jesidische Gemeinschaft aber weiterhin „einen extrem schweren Stand“. „Niemand fühlt sich ernsthaft zuständig für ihre Entschädigungsansprüche, für ihren Schutz, für die Schaffung von Voraussetzungen für eine Rückkehr in die früheren Siedlungsgebiete“, bemängelte Pro Asyl.

Tausende getötet

Angehörige der Jesiden waren im Irak sowie in Syrien in besonderem Maße der Verfolgung durch die IS-Miliz ausgesetzt. Tausende Menschen wurden getötet, Frauen und Kinder entführt und versklavt. Auch nach der militärischen Niederlage des IS im Irak sind Jesiden vielerorts weiterhin Verfolgungen ausgesetzt.

Jesidische Flüchtlinge in Deutschland seien daher weiter schutzbedürftig, betonte Pro Asyl. Dies gelte nicht nur für „direkte Opfer von IS-Grausamkeiten“. Jesiden seien schließlich Opfer „des bisher schlimmsten Genozids des 21. Jahrhunderts“ geworden.

Frauen und Mädchen in die Sklaverei

Die kurdischsprachige monotheistische Minderheit der Jesiden wurde wegen ihres Glaubens immer wieder verfolgt, die Jihadisten betrachten sie als „Teufelsanbeter“. Als die IS-Miliz im August 2014 das Sindschar-Gebirge im Nordirak eroberte, wo die Religionsgemeinschaft seit Jahrhunderten lebte, tötete sie die Männer, rekrutierte die Buben als Kindersoldaten und zwang die Frauen und Mädchen in die Sklaverei. Der Beginn der Verbrechen jährt sich am Samstag zum fünften Mal.

Weil sie die Gewalttaten des IS gegen die Jesiden offen anprangerte, erhielt die Jesidin Nadia Murad vergangenes Jahr den Friedensnobelpreis. Sie war 2014 selbst von IS-Kämpfern verschleppt und versklavt worden. Ihre Mutter und ihre sechs Brüder wurden von den Jihadisten getötet. (APA, AFP)