Letztes Update am Di, 06.08.2019 15:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikte

Kaschmir verliert Sonderstatus, Pakistans Armee warnt vor Eskalation

Die beiden Atommächte Pakistan und Indien haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 drei Mal Krieg gegeneinander geführt.

Nach der Entscheidung die Autonomie Kaschmirs aufzuheben gab es in Pakistan heftige Protesten.

© AFPNach der Entscheidung die Autonomie Kaschmirs aufzuheben gab es in Pakistan heftige Protesten.



Neu-Delhi, Srinagar – Inmitten der seit Monaten wachsendem Spannungen mit Pakistan hat die indische Regierung am Montag ein Dekret vorgelegt, das den Sonderstatus der von beiden Ländern beanspruchten indischen Kaschmirregion aufhebt. Indiens Innenminister Amit Shah hat die umstrittene Entscheidung als „historisch“ bezeichnet. Die Neuregelung solle „mit goldenen Worten in die indische Geschichte geschrieben werden“, sagte er am Dienstag vor dem Parlament in Neu-Dehli.

In Pakistan gab es nach Bekanntwerden der Entscheidung heftige Proteste. Nun hat auch Pakistans Armee reagiert und warnt Indien vor eine Eskalation in Kaschmir. „Pakistans Armee wird die Kaschmiris in ihrem Kampf bis zum Ende unterstützen“, sagte General Kamar Javed Bajwa am Dienstag nach einem Treffen mit Befehlshabern in Rawalpindi.

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Indien setzt auf harte Maßnahmen

Indien will die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Region damit stärker in das mehrheitlich hinduistische Land integrieren. Mit dem Dekret des Präsidenten wird ein Verfassungsartikel gestrichen, der dem indischen Teil Kaschmirs bislang größere Autonomie-Rechte gab. Pakistan, das die Region ebenfalls beansprucht, stufte das Vorgehen als illegal ein.

Die indische Regierung setzt weiter auf harte Maßnahmen, um Proteste gegen die Entscheidung in der Himalaya-Region zu verhindern. Viele der rund sieben Millionen Einwohner des Kaschmir-Tals haben seit Sonntagabend keinen Zugang zu Internet und Fernsehen. Sie können auch nicht telefonieren. Indien hat Hunderttausende Soldaten in die Region geschickt, die die Bewegungsfreiheit der Bewohner einschränken. Zudem gilt ein Versammlungsverbot. Der örtliche Polizeichef bezeichnete die Lage am Dienstag als „total friedlich“, wie die indische Nachrichtenagentur IANS berichtete.

Zustimmung des Parlaments als Formsachen

Das indische Unterhaus wollte am Dienstag über die Entscheidung beraten. Dessen Zustimmung gilt aber als Formsache ist, da die regierende hindu-nationalistische Bharatiya-Janata-Partei dort eine große Mehrheit hat. Am Abend zuvor billigte schon das Oberhaus einen entsprechenden Gesetzesentwurf und eine Resolution.

Die beiden Atommächte Pakistan und Indien beanspruchen Kaschmir jeweils für sich und haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 drei Mal Krieg gegeneinander geführt. Indien hatte vor einigen Monaten erstmals seit dem Krieg 1971 Angriffe auf pakistanisches Gebiet geflogen. (APA, dpa, TT.com)