Letztes Update am So, 22.09.2019 08:24

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demonstrationen

Hongkonger Aktivisten erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei

Die Polizei hatte am Samstag bei einer Kundgebung von Regierungsgegnern Tränengas eingesetzt. Zuvor hatten Demonstranten unter anderem Brandsätze geworfen und Barrikaden errichtet.

Zehntausende Demonstranten gehen seit Wochen in Hongkong immer wieder auf die Straße.

© AFPZehntausende Demonstranten gehen seit Wochen in Hongkong immer wieder auf die Straße.



Hongkong/Washington – Hongkonger Demokratie-Aktivisten haben schwere Vorwürfe gegen die Polizei und die Regierung in der chinesischen Sonderverwaltungszone erhoben. Am Rande eines Besuchs mehrerer Hongkonger Aktivisten in Washington kritisierte Joshua Wong am Samstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP, Hongkong habe sich „von einer modernen globalen Stadt in einen Polizeistaat mit Polizeigewalt“ verwandelt.

Wong ist nach eigenen Angaben einer von insgesamt rund 200 Aktivisten, denen im Zusammenhang mit den Protesten der Prozess gemacht werden soll. Seit Beginn der Proteste vor mehr als drei Monaten wurden rund 1500 Menschen festgenommen, laut Wong befand sich darunter auch ein zwölfjähriges Kind

Auch die Popsängerin Denise Ho sprach von einem „Polizeistaat“. Die Regierung verstecke sich hinter der Polizei und lehne es ab, eine Lösung für die Krise zu finden, sagte Ho. Der Aktivist Brian Leung warf Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam vor, die Polizei für ihren persönlichen Machterhalt zu nutzen. Die Regierung missbrauche ihre „öffentliche Macht, um die Menschen zu quälen und sie zum Schweigen zu bringen“, sagte Leung.

Schwere Zusammenstöße

Am Samstag hatte es bei Protesten in Hongkong erneut Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Die Demonstration in Tuen Mun nahe der Grenze zu Festlandchina hatte zunächst friedlich begonnen. Vor einem Regierungsgebäude riss eine kleine Gruppe von Demonstranten dann eine chinesische Fahne herunter und verbrannte sie. Die Spannungen nahmen schnell zu, nachdem ein Einsatzkommando der Polizei einen Park stürmte, in dem sich viele Demonstranten versammelt hatten. Es gab eine Reihe von Festnahmen.

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Polizei will Protest am Flughafen verhindern

Am Sonntag hat sich die Polizei am Bahnhof, von dem die Züge zum Flughafen abfahren, postiert, um Proteste dort zu verhindern. In das Flughafengebäude selbst wurden nur Reisende mit Tickets hereingelassen.

Der Flughafen der Stadt war bereits in den vergangenen Wochen mehrmals von Demonstranten blockiert worden.

Die seit mehr als drei Monaten andauernden Proteste in Hongkong hatten sich anfangs gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festlandchina vorsah. Unter dem Druck der Demonstranten zog die Hongkonger Regierung das Gesetz komplett zurück.

Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die Peking-treue Führung in Hongkong und die Beschneidung von Bürgerrechten. Die Demonstranten fordern unter anderem den Rücktritt von Regierungschefin Lam, eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt und freie Wahlen. (APA/AFP)