Letztes Update am Di, 15.10.2019 15:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Türkische Offensive

Fast 200.000 aus Nordsyrien geflohen, Caritas bittet dringend um Spenden

Der türkische Einmarsch in Syrien hat bereits Tausende Familien in die Flucht getrieben, vielen Menschen fehlt es am Nötigsten. Hilfsorganisationen wie die Caritas bitten dringend um Spenden.

Tausende Familien flüchten derzeit aus der Kampfzone.

© AFPTausende Familien flüchten derzeit aus der Kampfzone.



Tall Abyad, Akcakale — Vor der türkischen Militäroffensive sind nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) mindestens 190.000 Menschen geflohen. Rund 2000 seien auf dem Weg zur irakischen Grenze, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) am Dienstag in Genf. An der Grenze seien in der Nacht zu Dienstag schon mehr als 270 traumatisierte Menschen angekommen, nach knapp 200 am Wochenende. Die Ankömmlinge würden in Lager in Dohuk gebracht und dort versorgt.

Die meisten Menschen fliehen vor dem türkischen Militär und mit ihm verbundenen syrischen Kampfgruppen nach Süden und kommen teilweise bei Verwandten unter, wie das UN-Nothilfebüro (OCHA) berichtete. Unter den Vertriebenen sind nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF 70.000 Minderjährige.

Mehrere Krankenhäuser in Nordostsyrien hätten schließen müssen, entweder nach Angriffen, oder weil das Personal ebenfalls vertrieben wurde, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Unter schwierigsten Bedingungen würden Impfkampagnen in Lagern fortgesetzt. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) hält Nahrungsmittelpakete für jeweils fünf Tage für 450.000 Menschen in der Region bereit. 83.000 Menschen hätten bereits Rationen erhalten. „Fortgesetzte Militäroperationen haben verheerende Folgen für die sieben Millionen Menschen in Nordsyrien", warnte IOM-Generaldirektor António Vitorino.

Millionen droht Verlust der Lebensgrundlage

Die Caritas (Link zu Spendenmöglichkeit) hat angesichts der dramatischen Situation nochmals um Hilfe gebeten. „Durch die Zerstörung von Infrastruktur, wie Getreidespeichern in der Grenzregion könnten zwei Millionen Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren", warnte Andreas Knapp, Caritas Generalsekretär für Internationale Programme, am Dienstag in einer Aussendung.

„Die Hälfte der Menschen auf der Flucht sind Kinder. Viele von ihnen kennen gar kein Leben ohne Krieg. Und viele von ihnen laufen bereits das zweite Mal um ihr Leben", ergänzte Knapp. „Die Situation in Syrien ist dramatisch", so Knapp, der selbst lange Zeit in Syrien tätig war: „Am dringendsten werden Wasser, Lebensmittelpakete und Hygieneartikel benötigt. Es fehlt aber auch an Medikamenten und Decken. Unsere Partner bitten um finanzielle Unterstützung, damit sie rasch Hilfe vor Ort leisten können."

Verteilung von Hilfsrationen hat begonnen

Die Partnerorganisationen der Caritas Österreich in Nordostsyrien hätten bereits mit der Verteilung von Wasser und Lebensmittel begonnen. Die lokale Caritas organisiere die Versorgung von 1000 Familien in den Notunterkünften in Hassake. Die Caritas Österreich unterstütze mit Soforthilfe und rufe zu Spenden auf.

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Der Krieg in Syrien hat 2011 begonnen. 6,2 Millionen Syrer sind laut Caritas im eigenen Land auf der Flucht und 5,3 Millionen sind über die Grenzen geflohen. Mehr als 11,7 Millionen Menschen in Syrien und den Nachbarländern — davon fünf Millionen Kinder — sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. (TT.com, APA/dpa)