Letztes Update am Fr, 25.10.2019 13:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Syrien-Krieg

Russische Militärpolizei jetzt in Syrien, 2500 deutsche Soldaten möglich

Die 300 Militärpolizisten aus Russland sollen dem syrischen Regime dabei helfen, bewaffnete Kurden ins Landesinnere zurückzudrängen. Die deutsche Bundeswehr könnte bei einem möglichen Syrien-Einsatz etwa 2500 Soldaten stellen.

Ein Panzerfahrzeug der russischen Militärpolizei in Qamishli im Norden Syriens.

© AFPEin Panzerfahrzeug der russischen Militärpolizei in Qamishli im Norden Syriens.



Berlin, Ankara – Russland hat rund 300 Militärpolizisten aus seiner Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus nach Syrien verlegt. Die Einheiten sollen dabei helfen, die bewaffneten Kurden rund 30 Kilometer von der Grenze zur Türkei ins Landesinnere Syriens zurückzudrängen. Das teilte das russische Verteidigungsministerium der Agentur Interfax zufolge am Freitag in Moskau mit.

Zudem würden mehr als 20 Panzerfahrzeuge aus dem Süden Russlands nach Syrien verlegt. Die russischen Militärpatrouillen hätten die Aufgabe, die Sicherheit der Bevölkerung im Norden Syriens zu gewährleisten und für Ordnung zu sorgen, teilte das Ministerium weiter mit. Es handele sich um für Spezialeinsätze ausgebildete Truppen aus dem Nordkaukasus.

Die Türkei war vor mehr als zwei Wochen in Syrien einmarschiert, um die von ihr als Terrororganisation angesehene Kurdenmiliz YPG zu verdrängen. Parallel zogen die bisher mit den Kurden verbündeten US-Truppen aus dem Gebiet ab. Am Dienstagabend hatten sich der russische Präsident Wladimir Putin und türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan in Sotschi über einen weiteren Abzug der YPG aus den Grenzgebieten und eine gemeinsame Kontrolle der Region geeinigt.

Bundeswehr könnte 2500 Soldaten stellen

Die deutsche Bundeswehr könnte bei einem möglichen Syrien-Einsatz nach Spiegel-Informationen etwa 2500 Soldaten stellen. Die Militärplaner im Verteidigungsministerium hätten für Ressortchefin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) grob überschlagen, was sie den europäischen Partnern anbieten könnte, sollte ihr Vorschlag einer internationalen Schutzzone umgesetzt werden, berichtete das Magazin am Freitag im Voraus aus seiner neuen Ausgabe.

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Die Militärs gingen dabei von einem Szenario aus, wonach eine solche Zone in Sektoren von etwa 40 Kilometer Breite und 30 Kilometer Tiefe aufgeteilt würde.

In einem der Sektoren könnten die Deutschen als „Rahmennation“ die Führung einer internationalen Truppe übernehmen und dafür selbst drei robuste Kampfbataillone stellen, berichtete das Magazin weiter. Die Militärplaner sprechen demnach von einem „kompletten Paket“, das sie bereitstellen würden: Aufklärer, Spezialeinheiten, „Boxer“-Radpanzer, schwere Bewaffnung, Panzerhaubitzen, Pioniere, Minenräumer.

Bundeswehr traut sich auch Luftunterstützung zu

Auch die Luftunterstützung für die eigene Truppe traut sich die Bundeswehr dem Bericht zufolge zu – sowohl die Aufklärung mit „Tornado“-Kampfflugzeugen als auch eine bewaffnete Komponente mit „Eurofightern“. In zwei Bereichen allerdings wäre sie wohl auf Hilfe angewiesen: bei Hubschraubern und der Sanitätsversorgung.

Bisher zog die Bundeswehr meist auf unbegrenzte Zeit in einen Einsatz. Für das Syrien-Szenario schlagen die Bundeswehrplaner laut „Spiegel“ vor, sich am Beispiel der Niederländer zu orientieren und den Einsatz von vornherein auf zwei Jahre zu begrenzen. Danach müssten andere Nationen einspringen. Solange aber könne die Bundeswehr einen Einsatz durchhalten, ohne ihre bisherigen Verpflichtungen zu vernachlässigen, berichtete das Magazin aus den Planungen des Verteidigungsministeriums.

Türkei soll Flüchtlinge in Kriegsgebiet abgeschoben haben

Die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International werfen der Türkei indes vor, Dutzende bis Hunderte syrische Flüchtlinge in ihr kriegszerrissenes Heimatland abgeschoben zu haben. Die Menschen seien gegen ihren Willen und trotz fortdauernder Kampfhandlungen nach Nordsyrien deportiert worden, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten HRW-Bericht.

Ende Juli habe Innenminister Süleyman Soylu verneint, dass die Türkei Syrer deportiert habe und von freiwilliger Rückkehr in sichere Gebiete gesprochen, heißt es in dem Bericht weiter - HRW-Recherchen widersprächen dem direkt. Die Türkei habe rechtswidrig Syrer nach Idlib abgeschoben, „einem der gefährlichsten Gebiete in Syrien“. In Idlib, letzte Rebellenhochburg im Bürgerkriegsland, gab es in den vergangenen Monaten immer wieder schwere Luftangriffe der syrischen Regierung und der mit ihr verbündeten russischen Streitkräfte. (TT.com, APA/AFP)