Letztes Update am Di, 29.10.2019 10:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Irak

Mindestens 17 Demonstranten bei Protesten im Irak getötet

Der Zorn der Demonstranten richtet sich gegen die Regierung von Premier Mahdi und eine politische Elite, der sie Korruption vorwerfen. Seit Ausbruch der Proteste kamen mindestens 250 Menschen ums Leben.

Hotspot der Proteste ist die schiitisch geprägte Stadt Karbala.

© AFPHotspot der Proteste ist die schiitisch geprägte Stadt Karbala.



Kerbala – Bei Protesten gegen die Regierung im Irak sind erneut mehrere Menschen getötet worden. Allein in der im Zentrum des Landes gelegenen Schiiten-Hochburg Kerbala starben in der Nacht auf Dienstag Sicherheitskreisen zufolge mindestens 14 Menschen. 865 seien verletzt worden.

Im südlichen Nassiriya erlagen nach Angaben von Medizinern drei Demonstranten ihren Verletzungen. Seit Ausbruch der Proteste Anfang Oktober sind mindestens 250 Menschen getötet und 8000 verletzt worden.

Demonstranten geben einem Soldaten etwas zu trinken.
Demonstranten geben einem Soldaten etwas zu trinken.
- AFP

Auslöser der Proteste war ursprünglich neben Korruption und hoher Arbeitslosigkeit die schlechte Strom- und Wasserversorgung im Land. Inzwischen richten sich die Proteste aber zunehmend gegen die politische und religiöse Elite des Landes. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi.

Demonstranten widersetzen sich Ausgangssperre

Ein Schwerpunkt der Demonstrationen ist Bagdad, wo die Sicherheitskräfte am Montag nach vier aufeinanderfolgenden Protesttagen hart gegen Studenten und Schüler vorgegangen waren. Wenig später wurde in der Hauptstadt eine nächtliche Ausgangssperre angeordnet. Hunderte Demonstranten widersetzten sich dieser jedoch und harrten die fünfte Nacht in Folge in Zelten, verlassenen Gebäuden und auf der Straße aus.

Viele Bewohner der Hauptstadt protestieren mit Hupkonzerten und lauter Musik gegen die Ausgangssperre, viele waren trotzdem mit dem Auto oder zu Fuß unterwegs. „Ihre Ausgangssperre hat keine Wirkung. Dachte die Regierung, dass wir Zuhause bleiben würden? Auf keinen Fall“, sagte die 30-jährige Demonstrantin Duaa, die mehrere Stunden durch Bagdad gefahren war, bevor sie zum Tahrir-Platz kam.

In den vergangenen Tagen schlossen sich in Bagdad und mehreren Städten im Südirak auch tausende Studenten und Schüler den Protesten an. Gewerkschaften von Lehrern, Anwälten und Zahnärzten riefen zu unbefristeten Streiks auf. (TT.com, APA/AFP/Reuters)




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