Letztes Update am Fr, 01.11.2019 17:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Syrien

Türkisch-russische Patrouillen in Nordsyrien begonnen

Politisch arbeiten Moskau und Ankara seit längerem eng zusammen. Jetzt kooperieren sie in Syrien auch militärisch. Ihr Abkommen über den Norden des Krisenlandes wird sogar von Machthaber Assad gelobt.

Ein russischer Soldat in Al-Darbasia.

© AFPEin russischer Soldat in Al-Darbasia.



Al-Darbasia – Nach ihrem Abkommen über den Norden Syriens haben die Türkei und Russland mit gemeinsamen Patrouillen an der türkisch-syrischen Grenze begonnen. Dem türkischen Verteidigungsministerium zufolge gingen die Militärs zunächst nahe der syrischen Grenzstadt Al-Darbasia auf Streife. Das Moskauer Verteidigungsministerium bestätigte am Freitag, die erste Patrouille sei am Mittag gestartet worden. Die Streifen sollen überwachen, dass sich in dem Grenzgebiet keine Kämpfer der Kurdenmiliz YPG aufhalten.

Russland und die Türkei hatte Anfang vergangener Woche den Abzug der Miliz vereinbart. Demnach muss die YPG einen 30 Kilometer tiefen Streifen entlang der Grenze verlassen. Ankara sieht in der Miliz einen syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie als Terrororganisation. Türkische Truppen und verbündete syrische Rebellen hatten Anfang Oktober eine Offensive auf die YPG begonnen und waren weit bis auf syrisches Gebiet vorgerückt.

Nach Angaben des russischen Militärs sind bei den Streifen Militärfahrzeuge auf einer Route von mehr als 110 Kilometern unterwegs. Die türkisch-russischen Patrouillen sollen bis zu zehn Kilometer tief von der Grenze nach Syrien vordringen. Moskau hatte erklärt, die YPG habe ihren Abzug von dort abgeschlossen. Die Türkei drohte jedoch, ihre Offensive wieder aufzunehmen und die Region von „Terroristen“ zu „säubern“, sollten dort Kämpfer verblieben sein.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad lobte das Abkommen in einem Interview mit dem syrischen Staatsfernsehen als „positiven Schritt“. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die syrische Armee den Norden Syriens wieder unter Kontrolle bringen wolle. Das Abkommen sei nicht dauerhaft. Auch einen Krieg mit der Türkei schloss Assad nicht aus. Sollten deren Truppen in Syrien bleiben, gebe es keine andere Wahl.