Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.06.2015


Exklusiv

Innsbruck: Grüne hängen FI und ÖVP ab

Eine Umfrage der Uni Innsbruck weist die Grünen zur Halbzeit der Gemeinderatsperiode in Innsbruck an der Spitze aus. Die Ampelkoalition baut ihre Führung aus. Die ÖVP kündigt an, ihren Kurs nachschärfen zu wollen.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck — Die Innsbrucker Grünen können sich drei Jahre nach der Gemeinderatswahl 2012 den Titel „Halbzeit-Sieger“ abholen. Das geht zumindest aus einer aktuellen und repräsentativ durchgeführten Umfrage des Instituts für Politikwissenschaft an der Uni Innsbruck hervor. 300 Innsbruckerinnen und Innsbrucker wurden im Rahmen eines Seminars (Leitung: Christian Traweger) telefonisch im Mai zur aktuellen Polit-Lage in der Landeshauptstadt befragt.

Noch 2012 auf dem dritten Platz, würden die Grünen der Umfrage zufolge in der Sonntagsfrage 27,5 Prozent und somit Platz 1 bekommen. Die Bürgermeisterliste „Für Innsbruck“ stagniert bei 21 Prozent und behält Platz 2. Vom einstigen Wahlsieger nunmehr auf Platz 3 mit 19,9 Prozent rutscht indes die ÖVP ab. Die SPÖ als Juniorpartner in der Ampelkoalition mit FI und Grünen verliert weiter und grundelt bei 10,1 Prozent. Die FPÖ kann leicht auf 9,4 Prozent zulegen, die Liste Federspiel verliert stark und kommt nur noch auf 2,9 Prozent. In Summe kann die Ampelkoalition folglich von 54,6 % (2012) auf nunmehr 58,6 % (2015) zulegen.

In der Bürgermeisterstichwahl 2012 obsiegte Christine Oppitz-Plörer mit 55,8 % (1. Wahlgang: 31,3 %) über den damaligen ÖVP-Spitzenkandidaten Christoph Platzgummer mit 44,2 % (28 %). Wären am Sonntag BM-Wahlen, würden 34,7 Prozent Oppitz-Plörer die Stimme geben. Sofern sie auch antreten wollten, würden auf den Plätzen NR Georg Willi (Grüne; 18,6 %), Franz Gruber (ÖVP; 15,3 %) und Rudi Federspiel (9,5 %) folgen.

Abgefragt wurde u. a. in der Umfrage die Zufriedenheit mit der Arbeit der Stadtregierung. 57,7% zeigen sich sehr zufrieden bzw. zufrieden. Weniger zufrieden sind 34,3 Prozent, gar nicht zufrieden immerhin acht Prozent.

Veröffentlicht hat die Umfrage gestern die Innsbrucker ÖVP. Grundsätzlich sehe man die Stadtpartei „auf einem guten Weg“, meinte Klubobfrau Barbara Traweger-Ravanelli vor versammelter Presse. Auch, wenn der „grüne Höhenflug“, wie in Stadtrat Franz Gruber nannte, „schmerzt“. Platz 3 in der Umfrage sei weniger zentral, sagt Gruber, vielmehr, dass die ÖVP einigermaßen „stabil“ sei: „Viele haben ja gemeint, dass es uns in der Opposition zerbröselt.“ Die Umfrage analysiert die ÖVP auf ihre Weise: „Der Bürgermeisterbonus für Oppitz-Plörer ist weg“, meint Gruber. Und auch, dass ein gutes Viertel der Bevölkerung nur mäßig mit der Regierungsarbeit zufrieden ist, sei kein Ruhmesblatt für die Ampelkoalition, sagt Traweger-Ravanelli. Wiewohl die Ampel für die ÖVP ein zerstrittenes Bild abgebe: „Die Dissensliste wird immer länger.“

Sich selbst sieht die ÖVP-Spitze in der Oppositionsrolle angekommen. Die vergangenen drei Jahre seien schwierig gewesen, jetzt gelte es, den Weg „nachzuschärfen“. Dazu kündigt Gruber an, in einem breiten Prozess VP-Positionen in der Stadt „hinterfragen und modernisieren“ zu wollen. Dieser Weg solle in einem Stadtparteitag Ende 2015 oder Anfang 2016 gipfeln. Und ja, er werde wieder als Parteiobmann kandidieren. Ob er dies auch 2018 bei der Gemeinderatswahl als BM-Kandidat tun werde, ließ Gruber offen: „Das kann ich oder aber auch wer anderer sein.“