Letztes Update am Di, 30.06.2015 12:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

Tirol nominierte gesamte Isel als „Natura 2000“-Gebiet

Trotz der teils massiven Kritik aus Osttirol werden die Isel und die Zubringer als Natura-2000-Gebiet nominiert. Das hat die Tiroler Landesregierung am Dienstag beschlossen.

© FunderDie Isel wird ein Natura-2000-Schutzgebiet.



Innsbruck, Lienz - Die umstrittene Natura-2000-Ausweisung der Isel in Osttirol nimmt konkrete Formen an. Die schwarz-grüne Landesregierung hat die Isel sowie den Oberlauf der Schwarzach sowie des Kalserbaches nominiert, teilten Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und die zuständige LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) am Dienstag bei der Pressekonferenz nach der Regierungssitzung mit.

Dieser Nachnominierungs-Vorschlag würde nun der Europäischen Kommission gemeldet. Die vollständigen Nominierungsvorschläge müssen bis Ende des Jahres stehen. Die endgültige Verordnung der Natura-2000-Gebiete werde erst nach den formellen Konsultationsverfahren mit der Europäischen Kommission voraussichtlich im ersten Halbjahr 2016 verabschiedet, meinte Felipe.

Bei drei Natura-2000-Gebieten - darunter neben Osttirol auch Nauders und Tarrenz im Oberland - seien insgesamt 150 Stellungnahmen geprüft worden. Platter betonte, dass „nur öffentliches Wassergut“ ausgewiesen worden sei. Zudem seien Radwege und Sportplätze im Bereich des öffentlichen Wassergutes vom Schutzgebiet ausgenommen worden, ergänzte Felipe.

Bei der Natura 2000-Ausweisung der Isel geht es vor allem darum, den Lebensraum des Ufergewächses Deutsche Tamariske zu schützen. ÖVP-Bürgermeister in den betroffenen Osttiroler Gemeinden waren gegen die Ausweisung des gesamten Flusses Sturm gelaufen, und forderten ein Machtwort von Landeshauptmann Platter. Die Gemeindechefs wollten nur Teile der Isel und seiner Zubringer als Natura-2000-Gebiet ausweisen und sahen unter anderem den Bau von Kraftwerken gefährdet.

Er gehe davon aus, dass es auch in Zukunft „punktuell da und dort Geräusche geben“ werde, rechnete der Landeshauptmann nicht mir einer gänzlichen Beruhigung der Gemüter in Osttirol. Platter wehrte sich zudem gegen eine Vermischung von Kraftwerksvorhaben mit der Ausweisung von Natura 2000-Gebieten. Das geplante Wasserkraftwerk im Osttiroler Virgental sei beispielsweise abseits der Natura 2000-Debatte negativ beurteilt worden.

„Unabhängig von Natura 2000 gebe ich dem Kraftwerk keine Chance“, erklärte der Landeschef. In Osttirol gebe es aber durchaus Chancen auf zwei bis drei Kraftwerke, etwa im Defereggental, am Tauernbach oder in Kals. Zudem bewarb Platter einmal mehr Investitionen in die Region, etwa im Rahmen des zehn Millionen Euro schweren regionalwirtschaftlichen Rahmenprogrammes.