Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.07.2015


Landespolitik

Natura 2000: Streit über parallele Strukturen in Ostirol

Zwei Gremien mit fast identischen Teilnehmern wollen sich um die Förderung und Fördergelder in Natura-2000-Gebieten kümmern.

Die Isel wird ein Natura-2000-Schutzgebiet.

© FunderDie Isel wird ein Natura-2000-Schutzgebiet.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Für jene Gemeinden, die im geplanten neuen Natura-2000-Gebiet liegen, schüttet das Land Förderungen von 10 Mio. Euro in zehn Jahren aus. Bedingung: Es muss geeignete, förderwürdige Projekte geben. Und eben diese Projekte stehen für LA Hermann Kuenz (VP) ab Herbst auf dem Arbeitsplan. Analog zur Natura-Region Lech sollen die Osttiroler ein regionalwirtschaftliches Programm erstellen. „Im Lechtal wurden 400 Projekte umgesetzt, das hat 23 Millionen Euro Förderungen ausgelöst“, erklärt der Mandatar am Freitag. Kuenz zählt auf, wer aller mit im Boot sein soll: „Bürgermeister, Planungsverbände, der TVB, die Kammern, das Regionsmanagement, Vertreter des Prozesses ‚Vordenken für Osttirol‘. Und jeder, der will.“

Allerdings gibt es seit geraumer Zeit einen Verein, der sich die gleichen Ziele gesteckt hat und diese in Zusammenarbeit mit den gleichen Personen verwirklichen will. Ursprünglich als „Naturpark Isel“ (analog zum Naturpark Lech) gegründet, musste er sich nach der Ablehnung der Bezirksbehörden mit der Bezeichnung „Naturraum Isel“ zufriedengeben. Federführend ist VP-BM Andreas Köll aus Matrei. Köll zählt auf, wer aller mit im Boot sein soll: Bürgermeister, Planungsverbände, der TVB, die Kammern, das Regionsmanagement, der WWF. Die „Vordenker“ will Köll keinesfalls mit dabei haben.

Der Verein „Naturraum Isel“ müsse sich in den offiziellen Entwicklungsprozess, den das Land vorgibt, einordnen, fordert Kuenz eindeutige Kompetenzen. „Das Entwicklungsprogramm, das wir erstellen wollen, fußt schließlich auf dem offiziellen Regierungsbeschluss“, stellt er den Führungsanspruch.

Doch auch Köll beruft sich auf das Land. „Wir pochen auf den Landtagsbeschluss, der besagt, dass alle politischen Parteien vertreten sind. Für die VP muss das der gewählte Obmann Martin Mayerl sein, nicht Kuenz.“ BM Karl Poppeller aus Ainet, auch Mitglied im „Naturraum Isel“: „Für uns ist klar, dass unser Verein federführend das regionalwirtschaftliche Programm erarbeitet und niemand anderer.“