Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.07.2015


Tirol

Kappl/St. Anton: Umweltanwalt hat große Bedenken

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© Reichle



Innsbruck – Das Ermittlungsverfahren für die geplante Skigebietsverbindung zwischen Kappl und St. Anton ist abgeschlossen. Für die von den Arlberger Bergbahnen vorgelegten geänderten Ausgleichsmaßnahmen fand Ende Juni noch einmal eine mündliche Verhandlung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung statt. Die Ergänzungen waren notwendig, weil die Auswirkungen für den geplanten Zusammenschluss der Skigebiete Dias und Rendl über das Malfon vor allem im Bereich der Gewässerökologie als sehr kritisch eingestuft wurden. Mit einer Revitalisierung bzw. Renaturierung von Biotopen zwischen Galtür, Kappl, Ischgl und See soll die Gewässerökologie verbessert werden.

Die Entscheidung liegt jetzt bei der UVP-Behörde in der Umweltabteilung der Tiroler Landesregierung. Aber vor allem die Tiroler Umweltanwaltschaft hegt weiter große Bedenken gegen das aktuelle Vorhaben. Für den stellvertretenden Umweltanwalt Walter Tschon geht die Verbindung derzeit ausschließlich zu Lasten der Natur. Deshalb fordert er eine weitere Nachdenkphase und das Ausarbeiten von Alternativvarianten, „um eine umweltverträgliche Lösung zu erzielen. Wir sind nicht generell dagegen, aber in der vorliegenden Projektierung ist die Skigebietsverbindung nicht umweltverträglich.“

Tschon schlägt ein „Zurück an den Start“ vor und verweist auch auf die nach wie vor negative naturkundefachliche Stellungnahme. Letztlich sollten im „höchsten Maße schützenswerte Landschaftsteile“ wie das hintere Malfontal und weitere Landschaftsräume, u. a. Hintergebirge, Riffel, Rossfall, „die größtenteils als ausgesprochene Ruhezone mit alpinem Wildnischarakter zwischen zwei skitechnisch intensiv erschlossenen Räumen“ gelten, von einer Erschließung verschont bleiben.

Insgesamt sind für die Verbindung zwei Bahnen mit Investitionskosten von rund 45 Mio. Euro geplant. Die Behörde ist in den nächsten Wochen am Zug, möglicherweise fällt im August die Entscheidung.

Im Gegensatz zum Umweltanwalt gehen die Arlberger Bergbahnen davon aus, dass man mit den neuen Ausgleichsmaßnahmen die negativen Eingriffe in die Natur ausgleicht und es einen positiven UVP-Bescheid für den Zusammenschluss gibt. (pn)