Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.07.2015


Tirol

Felipe: "Die Osttiroler haben mich leider nicht so lieb"

Umweltreferentin Ingrid Felipe bedauert, dass sie trotz vieler Osttiroler Themen und Initiativen im Bezirk Lienz wenig Gegenliebe erfährt.

null

© Thomas Böhm / TT



Von Peter Nindler

Innsbruck – Dass das Fimba- und Vesiltal im Bereich des Piz Val Gronda bei der Meldung zusätzlicher Natura-2000-Schutzgebiete ausgespart wurden, hat Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) viel Kritik eingebracht. Vor allem aus Osttirol. Die Agrargemeinschaften als Grundbesitzerinnen legten sich in Ischgl quer, die betroffenen Osttiroler Gemeinden an der Isel forderten dasselbe Recht. Ursprünglich wollte die schwarz-grüne Landesregierung ein Paket schnüren. War die Vorgangsweise ein Fehler und sind die Ischgler einflussreicher als die Osttiroler? „Nein“, sagt Felipe. Aber warum wurde die Isel vorgezogen? „Weil das Bewertungsprozedere viel aufwändiger ist. Aber vielleicht geht es sich zeitlich noch mit Ischgl aus“, fügt die Umweltreferentin hinzu.

Ingrid Felipe hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es doch noch zu einer gemeinsamen Nominierung kommt. „Ziel und Hoffnung ist, dass letztlich im September ein Paket geschnürt wird.“ Ein Termin mit dem Bürgermeister von Ischgl, den Agrar-Obleuten und den Silvretta Bergbahnen ist geplant.

Betroffen macht Felipe die Aufschaukelung der Emotionen in Osttirol. Beim Bezirksmusikfest vor einer Woche zog Virgens Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler vom Leder und warf der Landesregierung diktatorisches Vorgehen vor. „Die Derbheit der Worte verwundert mich und auch die Vergleiche, vor allem wenn man weiß, wie die Menschen in totalitären Systemen unterdrückt werden.“

Offen spricht Felipe von einer durchaus wechselhaften Beziehung mit Osttirol. „Es gibt so viele Themen und wir bemühen uns sehr um eine gute Politik und Strukturen für Osttirol. Ich habe sehr viel Zuneigung zum Bezirk Lienz, aber ich spüre, dass mich die Osttiroler leider nicht so lieb haben.“ Insgesamt verteidigt sie den Ausweisungsprozess für die Isel und Teile des Kalserbachs sowie der Schwarzach. „Wie schon beim sektoralen Lkw-Fahrverbot weiß ich auch bei Natura 2000, dass es keine Popularitätspreise dafür gibt. Aber ich übernehme die Verantwortung dafür, weil die Maßnahmen notwendig sind.“

An den von der Europäischen Union eingemahnten Natura-2000-Schutzgebieten führt für Felipe kein Weg vorbei, das Wirtschaften sei auch in diesen Schutzgebieten möglich. „Und der Hunderter ist die Voraussetzung für die Wiedereinführung des sektoralen Lkw-Fahrverbots.“ Die Einigung mit der Wirtschaftskammer auf ein Maßnahmenpaket bezeichnet Felipe als wichtigen Schritt. „Wie bei Natura 2000 geht es mir um sachliche Kriterien. Die Menschen im Land erwarten sich von uns Lösungskompetenz.“ Die Umwelt- und Verkehrsreferentin verweist in diesem Zusammehang auf die steigenden Transitzahlen in Tirol. „Der Lkw-Transit wird nicht weniger werden, aber wir sind mit dem sektoralen Lkw-Fahrverbot auf dem richtigen Weg.“

Felipe sieht sich aufgrund ihrer Themen aber nicht nur auf Umweltthemen reduziert. „Im Prinzip sehe ich mich auch als Wirtschaftspolitikerin.“ Naturschutz sei schließlich Wirtschaftspolitik, indem die verfügbaren Ressourcen und Rohstoffe gewahrt würden.