Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 18.07.2015


Landespolitik

Energiewende und ein Brief an Juncker

Tirol hat die Trendwende beim Energieverbrauch geschafft und wirbt in Brüssel für Wasserkraft und Schneekanonen.

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© Volkmar Schulz / Keystone(Symbolfoto)



Innsbruck – Die von Tirol forcierte Energiewende und Energieautonomie ab 2050 wird derzeit überlagert von der Debatte über die Ausweitung des Gewässerschutzes. Ökologisch wertvolle Fließstrecken dürfen nicht verschlechtert bzw. Gewässer mit deutlicher Beeinträchtigung der ökologischen Funktionsfähigkeit müssen verbessert werden. Die konkreten Auswirkungen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das eine Verschärfung der Wasserrahmenrichtlinie vorsieht, sind noch unklar. Doch für Kleinwasserkraftwerke und die Genehmigung von Schneekanonen befürchtet das Land massive Konsequenzen.

Energiemonitoring

Verbrauch halbieren. Bis 2050 soll der Energieverbrauch in Tirol von 100.000 auf 50.000 Terajoule reduziert werden.

40 Prozent erneuerbare Energie. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch beträgt derzeit 40 Prozent. Um die Energieautonomie zu schaffen, müssen noch einmal 30 Prozent dazukommen. Seit 2005 wurden 120 Wasserkraftwerke gebaut, 5000 Photovoltaikanlagen sowie 2080 Umweltwärmepumpen installiert.

Wohnhaussanierung. 84.526 private und 96 Landesgebäude wurden in den vergangenen zehn Jahren saniert. Die Förderungen dafür betrugen 265 Mio. Euro.

Deshalb baten am Freitag LH Günther Platter (VP) und Energiereferent LHStv. Josef Geisler (VP) EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in einem Brief um Unterstützung, weil die durch die im EuGH-Urteil ergangene Rechtsprechung in Tirol für große Verunsicherung sorge. Für die Energieautonomie benötige Tirol den Ausbau der Wasserkraft. „Wir wollen damit in Brüssel Lobbying für die Wasserkraft, auch für die kleineren Kraftwerke machen“, sagt Geisler. Man wolle den eingeschlagenen Energiekurs weitergehen. „Und der macht sich bezahlt.“

Denn gemeinsam mit dem Energiebeauftragten des Landes, Stephan Oblasser, und Ernst Fleischhacker (FEN Sustain Systems) präsentierte Geisler den Energiemonitoring-Bericht. Zum einen ist der Energiebedarf trotz Steigerung des Bruttoregionalprodukts um 29,9 Prozent und vier Prozent mehr Einwohner um 3,6 Prozent seit 2005 gesunken. Andererseits wurde um 22 Prozent mehr erneuerbare Energie erzeugt. Die zwei Milliarden Euro, die noch für fossile Energieträger ausgegeben werden, möchte Geisler lieber in die Energieeffizienz und den Ausbau der erneuerbaren Energieträger investieren.

Als einen zentralen Faktor bezeichnet Oblasser die Wohnhaussanierung. In den vergangenen zehn Jahren wurden 84.526 Gebäude „wärmetechnisch“ saniert und 842 Gigawattstunden Energie eingespart. Der Anteil der Wohnhaussanierungen soll von zwei auf drei Prozent gesteigert werden.

Dass die Zielerreichung bis 2050 nicht so einfach sein werde, unterstreicht Ernst Fleischhacker. Manches gehe langsamer. Bei der Sub­stitution fossiler Energieträger in der Mobilität stecke auch Tirol noch in den Kinderschuhen. „Aber mit strategischen Zukunftsprojekten wie Wasserstoffautos könne man auch hier die Wende einleiten.“ (pn)