Letztes Update am Di, 11.08.2015 11:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Alt-Landtagspräsident

Land stützte Technikerhaus von 2002 bis 2010 mit 730.000 Euro

Ein ehemaliges Internat, in dem Altlandtagspräsident Mader kostenlos wohnt, wurde großzügig gefördert. Maders Sohn: „Wohnung nicht zum Nulltarif.“

© Julia HammerleAlt-Landtagspräsident Helmut Mader.



Innsbruck – Erneut muss sich die Tiroler ÖVP mit einer Wohnungsaffäre herumschlagen. Seit Montag ist die Aufregung groß. 2011 ging es um die günstige Mietwohnung von Ex-LR Christian Switak, jetzt um das 188 Quadratmeter große Domizil von Altlandtagspräsident Helmut Mader (74) im Innsbrucker Technikerhaus. Das ehemalige Schülerinternat gehörte bis 2010 dem gemeinnützigen Verein Technikerhaus, bei dem Mader bis 2013 Obmann war.

Ab Mitte der 1960er-Jahre hatte Helmut Mader dort zuerst eine Dienstwohnung, weil er nebenbei auch als Heimleiter gearbeitet hat. Ab 1988 baute er eine Wohnung im 4. Stock des Technikerhauses aus und zahlte künftig Miete. Ein Jahr später stieg der ehemalige Tiwag-Zentralbetriebsratsobmann zum Landeshauptmannstellvertreter auf, von 1994 bis 2008 war Mader Landtagspräsident und von 2002 bis 2010 auch Hypo-Aufsichtsratsvorsitzender. 2009 räumte der Verein dem Politpensionär und seiner Gattin schließlich ein unentgeltliches Wohnungsgebrauchsrecht auf Lebenszeit ein. Der ehemalige VP-Politiker berappt seither lediglich die Strom-, Müll- und Wasserkosten.

Mehr braucht es nicht, um angesichts der für viele kaum erschwinglichen Wohnungspreise in Tirol die Wogen hochgehen zu lassen. Dass seit Jahren auch drei von Maders Söhnen im Vereinsvorstand aktiv sind und Rechtsanwalt Gerhard Mader den Vertrag für das „Wohnungsgebrauchsrecht“ errichtet hat, sorgt ebenfalls für Debatten.

Die TT konnte am Dienstag die Verträge einsehen. Ein aus dem Jahr 1994 stammender Kontrollamtsbericht, der damals u. a. Helmut Maders Mietverhältnis im Technikerhaus beleuchtet hat, soll heute vorgelegt werden. Darauf stützt sich auch Sohn Gerhard. „Ich sehe keine schiefe Optik, alles wurde mehrfach geprüft und ist erklärbar.“ Und In-sich-Geschäfte gebe es auch nicht, weil sein Vater bei den entsprechenden Abstimmungen nicht anwesend gewesen sei. Gerhard Mader rechtfertigt das unentgeltliche Wohnrecht damit, dass dadurch der von seinem Vater auf eigene Kosten getätigte Umbau der Wohnung für 200.000 bis 300.000 Euro abgegolten werde. „Denn das Heim konnte nicht mehr kostendeckend geführt werden, es war kein Geld vorhanden, um meinem Vater die Investitionen zu ersetzen. Deshalb beschloss der Vereinsvorstand die Variante mit dem Wohnungsgebrauchsrecht.“

Dieses wurde aber erst 2009 offiziell vertraglich vereinbart – ein Jahr vor dem Verkauf des Technikerhauses. Auf die vorherige Miete angesprochen, bezifferte Rechtsanwalt Gerhard Mader diese als „fremdüblich“. Vor der Veräußerung des Technikerhauses an eine dem Verein nahestehende Immobiliengesellschaft hat der Altpolitiker laut seinem Sohn die Begründung von Eigentum abgelehnt. „Das wollte er nicht. Das Wohnrecht erlischt mit dem Ableben meiner Eltern.“ Offen gibt Mader jedoch zu, dass durch den innerhalb kurzer Zeit wieder rückgängig gemachten Verkauf einer Wohnung an den Finanzreferenten des Vereins die Aufteilung in Wohneinheiten mit Nutzwertfeststellung (Parifizierung) erst möglich wurde.

Nicht ohne sind die öffentlichen Förderungen für das Technikerhaus. Bis 2010 unterstützten sowohl das Land Tirol als auch die Stadt Innsbruck das Schülerheim. Von 2002 bis 2010 flossen vom Land 730.000 Euro, 175.000 Euro davon wurden für Sanierungsmaßnahmen bereitgestellt.

In der ÖVP reagierte man vorerst abwartend auf die Wohnungsaffäre. Parteimanager Martin Malaun geht aber davon aus, „dass Helmut Mader alles erklären kann“. Schließlich verweise dessen Sohn auf entsprechende Kontrollberichte und Rechnungsprüfungen. Die FPÖ fuhr hingegen ihre Krallen aus: Parteichef Markus Abwerzger fordert die Landes- und die Stadt-ÖVP auf, „Licht ins schwarze Dunkel dieser höchst aufklärungswürdigen Geschichte zu bringen“. Weil diese dem Ansehen der Politik insgesamt sehr schade. „Das ÖVP-Mader-System des günstigen Wohnens ist und bleibt ÖVP-Problem“, spielt Abwerzger auch auf die Affäre Switak an. (pn, mas)