Letztes Update am Di, 18.08.2015 04:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Mader droht Ausschluss aus der Volkspartei

Mader schweigt beharrlich, die ÖVP hat deshalb seine Parteimitgliedschaft vorläufig ruhend gestellt. Vorerst ist er kein VP-Mitglied mehr.

© Thomas BöhmAltlandtagspräsident Helmut Mader (Archivbild).



Innsbruck – Das kostenlose Wohnrecht in einer 188 Quadratmeter großen Wohnung im Technikerheim, das monatlich bis 1989 mit rund 1090 Euro abgegoltene Ehrenamt im Verein, hohe Subventionen von Stadt und Land für das ehemalige Schülerheim und schließlich der Verkauf an die befreundete Immobiliengesellschaft Kubus im Jahr 2010: An Altlandtagspräsident Helmut Mader (VP) gäbe es viele Fragen, doch weder gegenüber der Partei noch den Medien beantwortet er sie. In der Vorwoche hat VP-Chef LH Günther Platter, aber auch Parteimanager Martin Malaun mehrmals mit Mader telefoniert und ihn um Aufklärung gebeten. Vergeblich.

Jetzt wurde der Druck auf die ÖVP jedoch immer größer, sechs Monate vor der Gemeinderatswahl brodelt es in der Partei. Am Samstag hat die Landesregierung eine Sonderprüfung des Landesrechnungshofs der Subventionen des Landes für den Technikerverein beschlossen, doch die Wirkung verpuffte. Gestern brach mit Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter erstmals ein hochrangiger ÖVP-Mandatar den Stab über Mader und warf ihm „schlimmstes unanständiges Bonzentum der übelsten Art“ vor. Die ÖVP selbst geriet in die Defensive, Montag berieten deshalb die Mitglieder des Parteipräsidiums.

Obwohl Mader Direktmitglied beim Arbeitnehmerbund AAB ist und das Ruhendstellen der Mitgliedschaft im ÖVP-Parteistatut so gar nicht vorgesehen ist, hat das Präsidium diesen Schritt gesetzt. „Es stehen mehrere offene Fragen im Raum, die nicht nur Helmut Mader, sondern der Partei und der Politik insgesamt massiven Schaden zufügen und die nur Mader selbst aufklären kann“, begründet Platter die Vorgangsweise. Das Schweigen Maders verstehe niemand, weil es breiten Raum für Spekulationen und Mutmaßungen öffne.

Der AAB-Vorstand und der ÖVP-Landesparteivorstand am 21. September werden über das weitere Vorgehen entscheiden. Gelingt es Mader nicht, plausible Erklärungen für sein kostenloses Wohnrecht vorzulegen, das sein Sohn Gerhard mit privaten Investitionen von 200.000 bis 300.000 Euro in die 188-Quadratmeter-Wohnung rechtfertigt, droht dem Altlandtagspräsidenten nach 50 Jahren in der Tiroler VP der Parteiausschluss. Die Partei kann jedenfalls nicht mehr zurück.

Unabhängig davon begrüßen FPÖ und Impuls die von der Landesregierung beschlossene Sonderprüfung des Rechnungshofs. (pn)