Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.09.2015


Landespolitik

Stele soll Suevia-Denkmal ins richtige Licht rücken

Weil Innsbruck kein rechtliches Mittel findet, um gegen das Gedenken an den SS-Mann Lausegger vorzugehen, wird eine Opfer-Stele errichtet.

© MairEine Gedenk-Stele für Nazi-Opfer Berger soll die Lausegger-Inschrift am Suevia-Denkmal am Westfriedhof in den Schatten stellen.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Die grausame Wahrheit muss ans Tageslicht. Für alle sichtbar. Und nicht nur für jene, die zufällig ein Handy samt QR-Code-Scanner bei der Hand haben. Die Stadt Innsbruck will ihren Worten nun Taten folgen lassen. Und dem umstrittenen Denkmal der schlagenden Burschenschaft Suevia am Westfriedhof ein Pendant an die Seite stellen. Eines, das die Wahrheit über Gerhard Laus­egger ans Licht bringt. Jenen SS-Mann, dessen am Suevia-Denkmal u. a. mit einer Inschrift gedacht wird. Laus­egger war Mitglied der Suevia und in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 am Mord des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Richar­d Berger, beteiligt.

Die Gedenk-Stele, die die Stadt auf einer freien Grabstelle südlich des Suevia-Denkmals errichten will, soll Berger gewidmet sein. In ihrer Inschrift soll das einstige Verbrechen Lauseggers in klaren Worten aufgezeigt werden. Und somit das Suevia-Denkmal ins richtige Licht rücken.

Die Stele ist der letzte Ausweg, der der Stadt noch bleibt. Wie berichtet, war es nach ersten Gesprächen mit der Suevia im Vorjahr dazu gekommen, dass die Burschenschaft besagten „QR-Code“ auf der Rückseite des Denkmals anbrachte. Per Smartphone gescannt leitet er auf eine Internetseite weiter, wo die Suevia die Entstehung des Denkmals erklärt und sich letztlich von Lausegger distanziert. Die Stadt wertete dies als positiven, wenngleich lediglich ersten Schritt. Seit Jahren hatte man zusammen mit der Israelitischen Kultusgemeinde und Opferverbänden eine erklärende Zusatztafel verlangt.

Weitere Gespräche verliefen aber im Sand. Die Suevia sah ihren Teil erfüllt, die Stadt wollte mehr. In den vergangenen Monaten loteten die Stadt-Juristen deshalb alle nur denkbaren Möglichkeiten aus, wie gegen das Denkmal in seiner derzeitigen Form vorgegangen werden könnte. Das Ersuchen hierfür kam von Stadtrat Gerhard Fritz (Grüne), welcher politisch für die Friedhöfe zuständig ist und jener von BM Christine Oppitz-Plörer eingerichteten Arbeitsgruppe zur Lösung des Problems vorsteht. Doch die Juristen stießen auf Granit, wie Fritz zum eigenen Leidwesen feststellen musste. Weder über das Baurecht noch auf dem zivilrechtlichen Wege könne man die Suevia zu einer würdigen und angemessenen Distanzierung von Lausegger zwingen. Sogar ein Entzug des Benützungsrechtes des Doppelgrabes, auf welchem sich das Denkmal befindet, sei kein gangbarer Weg, heißt es. Weil dem die derzeitige Fassung der Friedhofsordnung im Wege stünde. Denn der Suevia war das Benützungsrecht vor dem 1. Jänner 1968 eingeräumt worden. Demzufolge müsse selbiges von der Stadt verlängert werden, wenn der Verein schriftlich darum ansucht. Ob die Stadt will oder nicht. Derzeit läuft das Benützungsrecht bis zum 1. Jänner 2018. Fritz kündigte aber an, die Friedhofsordnung zu novellieren. Damit solche Fälle künftig nicht mehr möglich sind.

Um trotzdem nicht untätig zu sein, wird die Gedenk-Stele errichtet. „Mehr können wir nicht tun“, sagt Fritz. Die Stele soll noch vor Allerheiligen an Ort und Stelle sein. Die Suevia war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.