Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.09.2015


Mietkosten

Wohnen in Tirol für 90 Prozent „nicht leistbar“

Zu teuer, zu alt, zu klein. So beurteilen viele Tiroler ihre Wohnsituation. VP-Landesrat Tratter verweist auf die jüngsten Maßnahmen bei Wohnbauförderung und Impulspaket. Kritik kommt von Seiten der SPÖ.

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© Thomas Böhm / TT



Von Marco Witting

Innsbruck – Wohnen. Das ist den Tirolern lieb. Und teuer. So teuer, wie sonst kaum irgendwo in Österreich. Das unterstreicht eine repräsentative Umfrage des Instituts für Marktforschung und Datenanalyse (IMAD) im Auftrag der Plattform Bau!Massiv. Besonders akut ist demnach die Situation in Innsbruck und Umgebung sowie in Osttirol. Rund 90 Prozent der Befragten beurteilen dort die Ausgaben zur Wohnraumbeschaffung als „nicht mehr leistbar“. Das wiederum führt in der Politik zu Diskussionen.

Wohnbaulandesrat Johannes Tratter (VP) sieht in Sachen Leistbarkeit sehr große Unterschiede zwischen dem freien Markt und dem geförderten sozialen Wohnbau. Tratter verweist auf Beispiele, etwa in Schwaz, wo bei einem neuen Projekt durch die Wohnbauförderung Mieten statt 13,48 Euro/m² nur 8,69 Euro/m² betragen. „Wir haben hier massive Schwerpunkte gesetzt. Zum einen durch das Impulspaket, das in zwei Jahren 500 zusätzliche Wohnungen fördert, zum anderen durch die Zinssatzsenkung für bestehende Förderungskredite.“ Klar sei aber auch: Im Zentralraum Innsbruck werde zu wenig im geförderten Wohnbau errichtet.

500 Tiroler (darunter 40 Prozent Mieter, 60 Prozent im Wohnungseigentum) wurden im August durch die Bauinteressensvertretung befragt. Nur die Hälfte davon ist mit dem Wohnumfeld sehr zufrieden. Zehn Prozent sind wenig bis gar nicht zufrieden. Gründe für die Unzufriedenheit sind zu alte, zu kleine und zu teure Wohnungen. An die Politik haben die Befragten zudem sehr konkrete Forderungen: Senkung der Grundpreise, Neugestaltung der Wohnbauförderung, Obergrenzen für Mieten oder Grundstückspreise, Auflagen für den Bau ändern, sozialen Wohnbau forcieren.

Bei letzterem Punkt sieht Tratter auch die Gemeinden in der Pflicht. „Die Instrumente in der Raumordnung sind da.“ Nachsatz: Das sei nicht immer ganz einfach, aber machbar. Zudem würde sich die Einstellung der jüngeren Bevölkerung massiv ändern. Das betrifft sowohl die Mobilität als auch den Wunsch nach Eigentum. Tratter sieht für leistbares Wohnen auch beim Mietrechtsgesetz „Luft nach oben“ und zudem bei den Bauvorschriften „kleine Schritte der Verbesserung“, die den Bau von Häusern wieder etwas erleichtern.

Bau!Massiv-Sprecher Reinhold Lindner formulierte seine Wünsche an die Politik so: „Es braucht eine Wohnbaustrategie und bedarfsgerechte Förderung des Wohnungsneubaus.“ Jeder Euro, der in den Wohnbau gesteckt werde, habe zudem einen hohen Multiplikatoreffekt in der Wirtschaft.

Für SP-Wohnbausprecher Thomas Pupp „blockiert die ÖVP Maßnahmen für billigeres Wohnen“. Und weiter: „Wenn junge Menschen sich das Wohnen in Tirol nicht mehr leisten können, rauben wir ihnen die Lebensgrundlage für positive Zukunftsaussichten, und letztlich führt dieses politische Versagen auch zu einem Standortnachteil“, so Pupp, der etliche Versäumnisse ortet. Die Politik gebe im Wohnbereich eindeutig den Kurs vor. Ähnlich auch die Position des ÖGB, der auf hohe Lebenshaltungskosten und die Verunsicherung bei den jungen Tirolern verweist.

Die Interessensvertreter der Massivbau-Unternehmen fragten bei den Tirolern übrigens auch die Einschätzung rund um die Höhe von Baukosten ab. Für ein Drittel der Tiroler ist die Massivbauweise am kostengünstigsten, gefolgt von der Mischbauweise mit 28 Prozent und der Leichtbauweise mit 19 Prozent.