Letztes Update am Sa, 26.09.2015 07:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Bundesheer fliegt ab, Land springt mit Polizei-Heli ein

Polizei erhält vom Land einen Hubschrauber gesponsert, der vor allem für den Katastrophenschutz zum Einsatz kommen soll – aber nicht nur.

Tirol kauft einen Polizei-Heli an.

© Jan HetfleischTirol kauft einen Polizei-Heli an.



Innsbruck – Dass die 15 in Tirol stationierten Rettungs- und Transporthubschrauber die Aufgaben des abfliegenden Bundesheerhelikopters in Vomp übernehmen könnten, kommt für Tirols LH Günther Platter (VP) nicht infrage. Obwohl es im Notfall hauptsächlich um Berge- und Löscheinsätze bzw. Erkundungsflüge geht, sei der Katastrophenschutz eine staatliche Verpflichtung, betonte gestern der Landeshauptmann. Das Angebot von Verteidigungsminister Gerald Klug (SP), im Katastrophenfall wie etwa 2013 beim Hochwasser in Kössen rasch Hubschrauber nach Tirol zu verlegen, reicht Platter nicht aus. Freuen kann sich deshalb die Polizei. Denn als Ersatz für den Heereshelikopter – der Stützpunkt in Vomp macht zu Jahresende dicht – wird das Land zusätzlich zur in Innsbruck stationierten „Libelle“ um 2,5 bis vier Millionen Euro einen zweiten Hubschrauber für die Polizei ankaufen. Betreiben wird ihn das Innenministerium, die Vereinbarung wurde gestern besiegelt.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (VP) spricht von einer Win-win-Situation, „weil wir ja hoffen, dass der Hubschrauber so selten wie möglich benötigt wird. Neben dem Katastrophenschutz wird er deshalb auch für polizeiliche Maßnahmen zur Verfügung stehen und so das Bundesland noch sicherer machen.“ Sowohl Mikl-Leitner als auch Platter loben die einzigartige und vorbildhafte Kooperation. Angesprochen auf eine weitere Zusammenarbeit und die offene Finanzierung des geplanten Sicherheitszentrums erklärt die Innenministerin, dass in den nächsten Wochen die letzten Details geklärt würden.

Doch zurück zum Hubschrauber: Bis zuletzt hatte sich das Land für den Erhalt des Stützpunkts Vomp eingesetzt und Verteidigungsminister Klug ebenfalls einen Hubschrauber angeboten. Doch Klug wollte nicht, der Hubschrauber aus Vomp wird nach Hörsching bei Linz verlegt. Die Einsätze des Heeres-Helis hielten sich ohnehin in Grenzen, außerdem war die Crew am Wochenende nicht verfügbar. Künftig ist der zweite Polizei-Heli mit Tiroler Wappen und der Bezeichnung „Land Tirol“ jedoch rund um die Uhr einsatzfähig. In den nächsten Wochen wird mit den Einsatzorganisationen Flugpolizei, Feuerwehr und Rotes Kreuz ein Anforderungsprofil entwickelt und der Hubschrauber-Kauf ausgeschrieben. „Neben den Bedrohungsszenarien Lawine, Hochwasser und Mure ist auch die Einsatzbereitschaft für den Fall eines Waldbrandes wie vergangenes Jahr in Absam sicherzustellen. Das bedeutet, dass der Hubschrauber über große Außenlastkapazitäten für den Wassertransport verfügen muss“, ergänzt Platter.

Landespolizeidirektor Helmut Tomac und der Leiter der Flugpolizei Werner Senn sind zufrieden. „In vielen Fällen ist der Hubschrauber das einzige Einsatzmittel. Mit dieser innovativen Lösung hat das Land Tirol eine Versicherungspolizze der ganz besonderen Art für die Sicherheit seiner Bevölkerung abgeschlossen“, betont Senn. Als weitere Stärkung „unserer technischer Möglichkeiten“ und als positives Ergebnis, „weil verschiedene Institutionen so vorbildhaft miteinander kooperiert haben“, sieht es Tomac.

Kritik kommt hingegen von der FPÖ und der „Unabhängigen Initiative zum Erhalt des Hubschrauberstützpunktes Vomp“ von Fritz Gurgiser. Letzterer meint, dass ein zusätzlicher Polizei-Hubschrauber keinen voll funktionsfähigen Hubschrauberstützpunkt ersetze, wo im Notfall zehn oder mehr Hubschrauber tage- und wochenlang stationiert, gewartet oder betankt werden können. Für den freiheitlichen Abgeordneten Edi Rieger ist der Ankauf eines Polizei-Hubschraubers durch das Land Tirol eine untaugliche Verschleierungstaktik für das politische Totalversagen von Landeshauptmann Günther Platter. Und für Minister Klug sei der Föderalismus ein Fremdwort. (pn)

Der Ankauf eines neuen Hubschrauber für Tirol ist besiegelt: LH Günther Platter mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.
Der Ankauf eines neuen Hubschrauber für Tirol ist besiegelt: LH Günther Platter mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.
- Land Tirol/Wikipil