Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.12.2015


Imst

Haiming stellt Weichen für Asylwerber-Containerdorf

Eine Fläche auf der Ötztaler Höhe wird dem Land Tirol zur Unterbringung von knapp 70 Asylwerbern zur Verfügung gestellt.

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© Dorn



Von Agnes Dorn

Haiming – Trotz Protesten der Opposition wurde vom Haiminger Gemeinderat mehrheitlich (10:5 Stimmen) beschlossen, die Freifläche auf der Ötztaler Höhe hinter der Hoferfiliale dem Land zur Aufstellung von Containern für die Unterbringung von Asylwerbern zu überlassen.

„Während des Asylverfahrens spielt sich keine Integration, die soll danach anfangen“, rechtfertigt Bürgermeister Josef Leitner die Wahl des Standorts mitten im Gewerbegebiet außerhalb des dörflichen Lebens. Die Asylwerber würden der Gemeinde „keine zusätzliche Arbeit“ machen und er habe zudem mit den Tiroler Sozialen Diensten (TSD), die für die Unterbringung zuständig sind, vereinbart, dass mit der Verpachtung einer Teilfläche der Parzelle 3086 „alle Verpflichtungen erfüllt sind“ und keine Zuteilungen mehr vom Land darüber hinaus getätigt werden. Die Gemeinde sei außerdem nicht verpflichtet, im Fall der Unterbringung der Asylwerber an diesem Standort Kinder von dort abzuholen und zur Schule und zum Kindergarten zu fahren.

GR Hugo Götsch äußerte ein „grundsätzliches Unverständnis“ gegenüber der Entscheidung des Landes für diesen Standort: „Im Dorf haben die Menschen die Möglichkeit, sich zu integrieren, dort nicht. Haiming könnte sich bessere Verhältnisse leisten.“ Es gebe auch viele Haiminger, die bereit seien, sich zu engagieren. Auch GR Claudia Melmer formulierte ihr Bedauern darüber, dass man sich für diese Fläche entschieden habe. Sie hätte den zweiten Standort, die ehemalige Baustoffprüfstelle der Tiwag, als wesentlich bessere Alternative angesehen. Eine Adaptierung wäre jedoch teurer gekommen als die jetzige Variante. Auch kleinere Einheiten, wie von Götsch bevorzugt, wären laut BM Leitner aus finanziellen Gründen für das Land weniger interessant als größere Unterkünfte mit mehr als 50 Bewohnern. Knapp 70 Asylwerber sollen auf der Ötztaler Höhe unterkommen.

Die nördliche Teilfläche der Parzelle, auf der sich derzeit noch typischer Föhrenwald des Tschirgant-Bergsturzgebietes befindet, werde als Freifläche mit Gebäuden vorübergehenden Bestands für fünf Jahre mit der Option auf Ansuchen einer zweijährigen Verlängerung an das Land verpachtet. Spätestens nach sieben Jahren müsste das Gelände dann entweder umgewidmet oder wieder freigemacht werden. Derzeit ist laut Gudrun Hofmann von der BH Imst noch ein Verfahren beim Land anhängig, das prüft, ob für die Fläche eine forst- und naturschutzrechtliche Bewilligung ausgestellt werden kann.

Georg Mackner von den TSD war indes zu einer Stellungnahme nicht bereit und verwies auf die Zuständigkeit der Abteilung Hochbau des Landes Tirol.




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