Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.02.2016


Tirol

Gemeinsame Schule: Tiroler Gymnasien blasen zur Revolte

Direktoren boykottieren Teilnahme an Steuerungsgruppe für Modellregion, Palfrader übt Kritik.

(Symbolfoto)

© APA/FOHRINGER(Symbolfoto)



Innsbruck — Der Konflikt über die Einführung einer Modellregion für eine gemeinsame Schule in Tirol eskaliert. Dabei geht es schon längst nicht mehr um die Standortsuche. Weil der Verein der Gymnasialdirektoren jetzt ihre Einladung zur Mitarbeit in der Steuerungsgruppe für pädagogische, rechtliche und inhaltliche Fragen ausgeschlagen hat, reicht es Schulratspräsidentin und Bildungs-LR Beate Palfrader (VP). Sie wirft den AHS-Vertretern vor, die Verantwortung für die Weiterentwicklung des Bildungssystems zum Wohle aller Kinder nicht wahrnehmen zu wollen.

Palfrader übt zudem scharfe Kritik an polemischen und beleidigenden Äußerungen einiger Direktoren. „Das muss endlich unterlassen werden." Sogar im Unterricht würden AHS-Lehrer gegen die Modellregion Stimmung machen. „Da wird den Schülern mitgeteilt, sie müssten dann neben den Dummen sitzen", ist Palfrader entsetzt. Diese Lehrer würden nicht nur dem Ruf der Pädagogen schaden, sondern auch ein Bild bestätigen, das sich die Öffentlichkeit da und dort berechtigterweise mache, betont sie gegenüber der TT.

Von einer Reform des Schulsystems und einer Modellregion ist die Bildungslandesrätin überzeugt. „In Südtirol funktioniert die gemeinsame Schule seit 30 Jahren", sagte sie gestern auch in der Landtagsdebatte. Zuerst soll eine politische Steuerungsgruppe, die am 10. Februar erstmals tagt, die strategischen Ziele vorbereiten, „danach beginnt die Arbeit der einzelnen Projektteams". Obwohl Palfrader weiterhin gesprächsbereit ist, haben die AHS-Direktoren die Modellregion abgehakt.

In einem Brief an die Landesrätin werfen sie der Politik vor, nicht an der Entscheidung zur Einführung einer Modellregion beteiligt gewesen zu sein. „Offenbar soll nun nachträglich der Öffentlichkeit signalisiert werden, dass auch die AHS in den Entscheidungs- und Umsetzungsprozess eingebunden ist." Für ein solches Manöver stehe man aber nicht zur Verfügung, wird die Ablehnung begründet. Außerdem würde die Weiterführung der Gesamtschule „Volksschule" bis in die achte Schulstufe Bewährtes zerstören. (pn)

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