Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.02.2016


Gemeinderatswahl

Listen abgegeben, jetzt wird erst einmal gezählt

Wie viele Listen tatsächlich zur Gemeinderatswahl antreten, ist noch nicht amtlich. Das dauert. Schließlich sind 278 Gemeinden gefragt.

Am 28. Februar stehen die Gemeinderatswahlen an. In manchen Orten gibt es nur eine Liste, in Gramais im Außerfern gar keine.

© Boehm/TTAm 28. Februar stehen die Gemeinderatswahlen an. In manchen Orten gibt es nur eine Liste, in Gramais im Außerfern gar keine.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – 278 neue Bürgermeister und mehr als 3650 Gemeinderäte braucht es, um Tirols Dorfparlamente bestücken zu können. Am 28. Februar wird gewählt, zwei Wochen später erfolgen, wenn es welche braucht, Stichwahlen um das Amt des Bürgermeisters. Gestern um 17 Uhr ist die Einreichfrist für die Listen ausgelaufen. Wie viele es sind und wie viele Bürgermeisterkandidaten es gibt, wird noch ausgezählt und in der nächsten Woche präsentiert.

Keine Liste dürfte es in Gramais geben. Die kleinste Gemeinde Österreichs hat 51 Einwohner und keine Kandidaten für die Wahl gefunden. Der alte Gemeinderat werde wohl weitermachen, meint Gemeindeverbandschef Ernst Schöpf (ÖVP). Gibt es in einer Gemeinde keinen Bürgermeisterkandidaten, müsste sie von der Bezirkshauptmannschaft verwaltet werden. Schöpf wird am Dienstag Bilanz ziehen.

In der Parteizentrale der ÖVP liegt die Gesamtzahl der ÖVP- und ÖVP-nahen Listen auch noch nicht am Tisch. Sicher ist, dass die ÖVP in allen 278 Gemeinden antritt und weitaus am meisten Kandidaten sowohl für den Gemeinderat als auch für das Bürgermeisteramt stellt. In Tirol gibt es die Spezialität des Listenkoppelns. „Welche Liste mit welcher koppelt, muss am Stimmzettel vermerkt sein“, erklärt Hauptgeschäftsführer Martin Malaun. Er hält am Koppeln fest. „Das macht Sinn und fördert die Zusammenarbeit.“ Es maximiert auch die Stimmen.

Auf mehr als 100 Gemeinden und rund 70 Bürgermeisterkandidaten bringt es laut Geschäftsführer Georg Dornauer die SPÖ. Dazu kämen noch rote Kandidaten auf Namenslisten. Um die Frauenquote habe sich die SPÖ bemüht. „Da haben wir viel zusammengebracht“, meint er. Endgültige Zahlen hat allerdings auch die SPÖ noch nicht. Bei den Freiheitlichen verlautbart Parteichef Markus Abwerzger „ein Rekordergebnis“. In 75 Gemeinden könne die FPÖ Kandidaten stellen. Damit haben sich die Freiheitlichen von 62 auf 75 gesteigert. Die Zahl der Gemeinderäte ohne Innsbruck liege bei 49, meint Abwerzger. „Ziel sind 100, also eine Verdoppelung.“ Die Dominanz der ÖVP lässt den blauen Parteichef nur den Kopf schütteln. „Abbildung der politischen Realität ist das eigentlich keine.“ Die Freiheitlichen stellen bis dato einen Bürgermeister und hoffen, „dass vielleicht noch welche dazu kommen“.

Das Ende der Listeneinreichung zur Gemeinderatswahl ist für die Grünen ein „starker Zwischenstand“, lässt Landessprecher Georg Willi in einer Aussendung wissen. „Wir treten nun offiziell in 45 Gemeinden an.“ 2010 waren es 31 Gemeinden und 45 Gemeinderäte. Willi ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Latte hatte er sich auf 40 Gemeinden gelegt. „Tirolweit können 200.000 GemeindebürgerInnen die Grünen wählen.“ Das entspreche 41 Prozent der 489.721 Wahlberechtigten. Bürgermeister haben die Grünen keinen. Willi hofft auf grüne BürgermeisterkandidatInnen, die sich vielleicht in einer Stichwahl durchsetzen könnten.

Die Liste Fritz hat Kandidaten auf 20 bis 30 Listen. „Ebendie sind deklarierte Bürgerlisten und nicht Parteilisten“, erklärt Pressesprecher Markus Sint. Die Partei habe in den Gemeinden von der Beratung bis hin zur finanziellen Unterstützung von Listen Hilfe angeboten. Die Kandidaten würden sich durch ihr Engagement bei den Landtagswahlen bei der Liste Fritz revanchieren, sagt Sint.

Auch nach dem Auszählen bleibt noch eine Frist, um bei den Listen zu korrigieren oder zu ändern. Viel tue sich da aber erfahrungsgemäß nicht mehr, meint Präsident Schöpf.