Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.02.2016


Gemeinderatswahl 2016

Verein kämpft gegen sinkende

Wahlbeteiligung

© DomanigObmann Alexander Jäger und sein Verein „Inzing wählt“ wollen die Bürger zum Wählen motivieren – und setzen vor allem auf Information.



Von Michael Domanig

Inzing – Der Trend ist eindeutig, unerfreulich – und wohl auch in vielen anderen Tiroler Gemeinden zu beobachten: Bei den Gemeinderatswahlen in Inzing sinkt die Wahlbeteiligung seit Jahren stetig. Hatten 1998 noch 86,08 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht, waren es 2004 nur 74,44 Prozent und 2010 gar nur noch 68,48 Prozent. Diesen Trend umzukehren, ist das erklärte Ziel des „Vereins zur Steigerung des Demokratiebewusstseins in Inzing“, kurz: „Inzing wählt“.

„Wir wollen, dass die Leute wieder wählen gehen“, erklärt Obmann Alexander Jäger, „denn jeder Einzelne macht etwas aus“ – bei etwas mehr als 3000 Wahlberechtigten in Inzing über 0,03 Prozent. „Wenn die Leute spüren, dass sie Einfluss haben, sind sie eher bereit, wählen zu gehen“, glaubt Jäger. „Wenn dagegen irgendwann nur noch eine Minderheit wählen gehen würde, wäre die Repräsentativität des Wahlergebnisses in Frage gestellt.“

Ziel des neuen Vereins – die Grundidee geht auf den Inzinger Andreas Schärmer zurück – sei es daher, „so viele Informationen wie möglich an die Leute zu bringen“, erläutert Jäger. Hierzu hat man eigens die Website inzing-waehlt.at geschaffen, die man als „Erst­informationsquelle“ für alle Inzinger etablieren will. Neben eigens gedrehten Kurzvideos mit den vier Inzinger Bürgermeisterkandidaten – Langzeit-Dorfchef Kurt Heel tritt ja nach 24 Jahren nicht mehr an – finden sich dort auch praktische Hinweise, etwa darüber, wie das Wählen mit Wahlkarte funktioniert.

Zusammen mit dem Kulturverein Inzing organisiert die außergewöhnliche Initiative auch eine Podiumsdiskussion mit den vier Bürgermeisterkandidaten, die am Freitag, den 19. Februar, um 19.30 Uhr im Volksschulsaal stattfindet (und live auf Freirad übertragen wird). Als Moderator konnte der Verein den namhaften Politologen Reinhold Gärtner von der Uni Innsbruck gewinnen, der „Inzing wählt“ auch inhaltlich unterstützt: „Mir ist nicht bekannt, dass es in Tirol eine vergleichbare Initiative gibt“, meint Gärtner. Er finde es „eine tolle Geschichte, wenn man etwas gegen sinkende Wahlbeteiligung tun will“. Ob es funktioniere, werde man am 28. Februar sehen.

Was Obmann Jäger besonders wichtig ist: „Unser Verein ist völlig unabhängig“, die Vorstandsmitglieder dürfen laut Statuten „keine parteipolitische Funktion“ innehaben. Rund um die Podiumsdiskussion sind auch eine Art „Marktstände“ geplant, an denen sich die sage und schreibe acht Listen, die heuer in Inzing kandidieren, präsentieren können. „Die Ausgangslage könnte spannender nicht sein“, freut sich Jäger.