Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.04.2016


Tirol

Freizeitwohnsitze: Protest gegen Ausverkauf auf Bauernhöfen

Grundverkehrsexperte Axel Fuith warnt davor, Freizeitwohnsitze auf Bauernhöfen zu ermöglichen. In der ÖVP gibt es bereits heftige Debatten.

© istockAlmhütten sind in Tirol heiß begehrt, wie auch Freizeitwohnsitze.Foto: iStock



Von Peter Nindler

Innsbruck – Warum öffnet der ÖVP-Bauernbund in der Raumordnungsdebatte die Büchse der Pandora, indem er Freizeitwohnsitze auf Bauernhöfen verlangt? Dass damit bisherige „schlampige Mietverhältnisse“ legalisiert werden? Daran glaubt niemand, weil es kaum Probleme damit gegeben hat, auch wenn Wohneinheiten langfristig vermietet wurden. Profitieren würden nur einige wenige von Freizeitwohnsitzen, deshalb wird hinter den Kulissen eher ein politisches Muskelspiel des VP-Bauernbundes für seine Klientel vermutet. Man will in der Raumordnungsnovelle einen Erfolg vorweisen.

„Aber zu einem hohen Preis“, wie der Grundverkehrsexperte und Rechtsanwalt Axel Fuith betont. Denn mit der Genehmigung eines Freizeitwohnsitzes werden diese laut Fuith auch für Nicht-Bauern handelbar, „obwohl die Bauern nur vermieten wollen“. Letztlich widerspreche dies dem Prinzip, keine neuen Freizeitwohnsitze in Tirol zuzulassen.

Neue Ferienwohnungen auf Almhütten sorgen ebenfalls für Kontroversen. Der Obmann von Urlaub am Bauernhof, Johann Hörtnagl, spricht sich dafür aus. „Das Angebot an der Vermietung von Hütten ist geringer als die Nachfrage“, verweist er auf Erfolgsmodelle etwa in Kärnten. Dass damit Freizeitwohnsitze durch die Hintertür geschaffen werden könnten, befürchtet er nicht. „Es geht nur um die Vermietung zu Urlaubszwecken.“

In der ÖVP ist bereits eine Auseinandersetzung entbrannt. Wirtschaftsbundobmann Jürgen Bodenseer bezeichnet Freizeitwohnsitze auf Bauernhöfen als „Schnapps­idee“ und warnt vor dem Ausverkauf der bäuerlichen Kulturlandschaft. In der VP-Zentrale soll man davon gar nicht angetan sein, will man den Bauern offensichtlich doch entgegenkommen.

Klare Worte findet Impuls-Mandatar Josef Schett: Ferienwohnungen und Freizeitwohnsitze auf Almen und Bauernhöfen seien der komplette Ausverkauf der Heimat und eine „Verkitzbühelung“ Tirols bis in die höchsten Regionen und eine Kulturentfremdung. Hingegen bräuchte es bessere Regelungen für die Vermietung von landwirtschaftlichen Nebengebäuden und Almhütten im Rahmen von Urlaub am Bauernhof.

Die Liste Fritz wirft Schwarz-Grün vor, dass sie nicht in der Lage sei, das geltende Gesetz zu den Freizeitwohnsitzen zu kontrollieren, „aber andererseits die ÖVP laut über zusätzliche Freizeitwohnsitze nachdenkt“, wie Klubchefin Andrea Haselwanter-Schneider kritisiert. Für SPÖ-Chef Ingo Mayr blockiert die „bäuerliche Klientelpolitik die Raumordnung“. Vielmehr sollte sich die Regierung intensiv mit Vorbehaltsflächen für den geförderten Wohnbau beschäftigen.