Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.06.2016


Tirol

Den Traglufthallen geht langsam die Luft aus

Fünf Notquartiere hat das Land angekauft. Nach dem Streit um die Traglufthalle in Innsbruck/Arzl wurde die Standortsuche für drei weitere Hallen gestoppt.

© DomanigDie Traglufthalle in Hall ist vorerst die einzige, in der Flüchtlinge untergebracht sind. In Innsbruck/Arzl gibt es seit Wochen Probleme mit der Genehmigung, die Suche nach drei weiteren Standorten wurde eingestellt.Foto: Domanig



Innsbruck – Im Oktober hat das Land beschlossen, über ihre Flüchtlingsgesellschaft TSD fünf Traglufthallen zur Unterbringung von Asylwerbern anzukaufen. Rund 6,6 Millionen Euro wurden dafür bereitgestellt. Das Argument des Landes: Durch entsprechende räumliche Unterteilungen und die notwendigen sanitären sowie küchentechnischen Einrichtungen ist eine längerfristige Nutzung auch als Selbstversorgerquartiere sichergestellt. Rund 1000 Schutzsuchende sollten untergebracht werden. Zwei Hallen, eine in Hall und eine in Innsbruck/Arzl, wurden bisher realisiert. In Hall gab es Anlaufschwierigkeiten, doch mittlerweile funktioniert es.

Allerdings nahm auch die (politische) Kritik an dieser Art von Großquartieren zu, die Notlösung wurde zum Zankapfel. In Innsbruck/Arzl verzögert sich wegen Brandschutzfragen seit Wochen die Unterbringung von Asylwerbern. Man dreht sich im Kreis. Sollte sich in den nächsten Tagen nichts bewegen, wird bereits über Alternativen nachgedacht. Zuletzt verlangte die Innsbrucker ÖVP sogar eine Reduzierung der Flüchtlinge von 240 auf 100.

Die Politik befindet sich derzeit in einer zwiespältigen Situation: Möglicherweise werden die Traglufthallen gebraucht, wenn in den nächsten Wochen die Flüchtlingszahlen wieder steigen. Andererseits werden sie abgelehnt. Am Wochenende soll LH Günther Platter (VP) in Kitzbühel erneut an die Bürgermeister appelliert haben, für Unterkünfte zu sorgen, damit es keine Großquartiere benötigt. 6300 Asylwerber werden derzeit in Tirol betreut.

Die Standortsuche für die drei bestellten, aber nach wie vor „verpackten“ Traglufthallen wurde mittlerweile eingestellt. Sozialreferentin LR Christine Baur (Grüne) bezeichnet den Ankauf aber nicht als Fehlentscheidung, „weil ich sie nach wie vor für Notunterkünfte geeignet halte“. Außerdem wollte man gerüstet sein, gleichzeitig gab es bereits im Herbst Überlegungen für eine eventuelle alternative Verwendung. Und diese wurden jetzt offensiv aktiviert.

Laut TT-Informationen soll schon mit den Herstellern Kontakt über eine Rücknahme aufgenommen worden sein, sollten sich potenzielle Interessenten dafür finden. Gedacht ist dabei vor allem an Organisationen, die im Bereich des Katastrophenschutzes tätig sind. Offenbar gibt es auch Gespräche mit den Verantwortlichen der Innsbrucker Messe, die eine Halle für temporäre Ausstellungen verwenden könnte.

Für die Tiroler Sozialen Dienste bedeutet der Ankauf der Traglufthallen eine große finanzielle Belastung, schließlich muss das Darlehen des Landes zurückgezahlt werden. Ohne Belegung gibt es auch keine Einnahmen. In der Vollausstattung kostet eine Halle 1,8 bis zwei Mio. Euro.

Laufende Kosten (Strom, etc.) sind auch in der leeren Halle in Innsbruck/Arzl zu bedienen. Deshalb wird dort ebenfalls über einen Plan „B“ nachgedacht. Sollte sich das Genehmigungsverfahren weiter in die Länge ziehen – gestern gab es erneut eine Expertensitzung –, so könnte die Traglufthalle abgebaut und durch Holzcontainer ersetzt werden. Diese Option steht im Raum, wenngleich Platter und Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer nach wie vor zur bereits errichteten Traglufthalle in Innsbruck stehen. (pn)