Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.06.2016


Schwaz

Berggemeinden hadern mit Flüchtlingsaufnahme

Ortschefs unter sich: Flüchtlingsunterbringung und Integration waren die brennenden Themen bei der Bürgermeisterkonferenz in Buch.

© FankhauserHarald Bachmeier (TSD), Dietmar Schennach (Landesamtsdirektorstv.), BH Karl Mark, BM Otto Mauracher und Landespolizeidir. Helmut Tomac (v. l.) tauschten sich auch nach der BM-Konferenz in Buch weiter aus.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Es sei wie ein Hochwasser, bei dem alle zusammenhelfen und sich die rettende Hand reichen würden. Allerdings kein einmaliges, sondern ein nicht enden wollendes Hochwasser. Und dann folge die Ohnmacht, man wisse nicht mehr wohin oder wie man helfen könne. Alles gerate ins Stocken – so versuchte Markus Zijerveld (BM Weer) am Dienstag bei der Bürgermeisterkonferenz die Flüchtlingsproblematik bildlich zu erklären.

38 von 39 Bürgermeistern des Bezirks Schwaz waren der Einladung von BH Karl Mark nach Buch gefolgt. Die Orts­chefs wurden bei der Konferenz nicht nur von LR Johannes Tratter über aktuelle gemeindepolitische Belange aufgeklärt, sondern konnten Sorgen und Fragen äußern. Neben Landespolizeidirektor Helmut Tomac beantworte­ten auch Dietmar Schennach, Landesamtsdirektorstellvertreter, und Harald Bachmeie­r, Chef der Tiroler Sozialen Dienste, die Fragen der Bürgermeister und zeigten die derzeitige Lage auf. Vor allem das Asylthema sorgte für Gesprächsstoff. „Ich habe ganz konkret über die Unterbringung der Asylwerber gesprochen. Tirol muss da noch Platz schaffen“, erklärte Schennach. Es sei vor allem für die Berggemeinden schwierig, Flüchtlinge aufzunehmen, diese haben in der Konferenz ihre Sorgen geäußert. „Dass sich Berggemeinden schwerer tun, ist klar. Jeder probiert eben sein Möglichstes“, sagte Aloi­s Aschberger (BM Wiesing). Laut BH Mark seien alle Gemeinden bemüht, Unterkünfte zu finden. „Derzeit haben wir rund 550 Asylwerber im Bezirk. Es müssen aber noch einige hundert aufgenommen werden“, betonte Mark. In 23 Gemeinden des Bezirkes gebe es bereits Unterbringungen oder zumindest geplante Projekte. Auch Holzmodule als Quartiere seien im Gespräch, „aber nur in kleiner Form mit maximal 25 Personen“.

Die Ortschefs haben vorrangig angemerkt, dass die Integration ins Dorfleben ein schwieriger Punkt sei. „Bei uns sind 14 Jugendliche untergebracht. Wir möchten einen Integrationsabend machen, das geht aber erst, sobald sie ihre Sprachkenntnisse verbessert haben“, verrät Karl Eberharter (BM Strass). Mit 70 Flüchtlingen an der Ortsgrenze und elf im Dorf sieht BM Alois Wurm das Asylthema in Bruck gelassen. In Weerberg klappe laut BM Gerhard Angerer die Integration der 35 Flüchtlinge mittlerweile gut. In Weer hingegen sind es derzeit nur drei Asylwerber. „Wir haben versucht, gemeinsam mit Pill eine Lösung zu finden. Gescheitert ist es jedoch an der Frage, wo die große Anzahl an Flüchtlingen hinkommen sollte“, sagte Zijerveld.