Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.06.2016


Schwaz

Herbergssuche scheitert an Politik

Wohnungen im Gemeindeamt und geplante Flüchtlingsunterkünfte sorgen in Mayrhofen für Diskussionen.

© DählingBürgermeisterin Monika Wechselberger in einer der einstigen Wohnungen im Dachgeschoß des Gemeindeamtes. Sie möchte die Wohnungen wieder herrichten. Andere Mandatare bevorzugen hier einen Sitzungssaal.Foto: Dähling



Von Angela Dähling

Mayrhofen – Eines hatten sich alle vier Gemeinderats­listen ganz oben auf ihre Wahlprogrammfahnen geheftet: günstigen Wohnraum für ihre Bürger zu beschaffen. „Wir hatten im Dachgeschoß des Gemeindeamtes einst zwei große Wohnungen vermietet – seit dem Umbau des Gemeindeamtes vor einigen Jahren liegt das Dachgeschoß aber brach“, erklärt Bürgermeisterin Monika Wechselberger („Für Mayr­hofen“). Sie würde die Wohnungen dort gerne wieder herrichten und vermieten. „Jede Wohnung zählt“, meint sie. Denn die Liste der Wohnungssuchenden ist lang – über 70 Namen finden sich darauf. Doch im Gemeinderat stieß die Idee der Bürgermeisterin auf keine Gegenliebe.

GR Wolfgang Höllwarth (Team Eberharter) regte in der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung an, das Dachgeschoß zwar auszubauen, allerdings für gemeindeeigene Zwecke. Er schlug vor, den Sitzungssaal ins Dachgeschoß zu verlegen. Der jetzige sei zu klein und weise in puncto Belüftung Schwächen auf. Er könnte dann als Trauungssaal verwendet werden. Wenn dort lediglich zwei neue Wohnungen geschaffen würden, sei das Problem der Vergabe ein größeres, zumal die Wohnungen aufgrund der Lage sehr attraktiv wären, argumentierte Höllwarth, was bei der Bürgermeisterin auf Unverständnis stieß. Franz Eberharter (Team Eberharter) wies darauf hin, dass die Sitzungssaalpläne bereits 2008 Thema waren und nur aus Kostengründen zurückgestellt wurden. Zudem erinnerte er an Probleme des Mieterschutzes. Die einstigen Mieter hatten nämlich keinen Mietvertrag. Eberharters Argument will BM Wechselberger nicht gelten lassen. „Heute sind Mietverträge üblich und damit erübrigt sich das Problem“, sagt sie. Ein Mieter ist mit dem ehemaligen Schuldirektor nach wie vor im Gemeindeamt wohnhaft. Wechselberger schlug eine Kostenschätzung vor, was die Errichtung von Wohnraum im Dachgeschoß kosten würde. Höllwarth argumentierte, das Haus solle das Wesen eines Amtes behalten. „Es gibt genug Wohnprojekte, die in Ausarbeitung sind. Ich halte es für nicht sinnvoll, die Raumreserven im Gemeindeamt dafür zu verwenden“, sagt Höllwarth.

Einen Riegel schiebt das Team Eberharter auch Plänen des Landes vor, nahe dem Campingplatz ein Haus in Holzmodulweise für Geflüchtete aufzustellen. Ein privater Grundbesitzer würde Grund zur Verfügung stellen. Via Facebook lässt die Liste wissen, dass „Containerunterkünfte“ jeglicher Größe mit einem Tourismusort wie Mayr­hofen unvereinbar seien. „Viele unserer Gäste kennen das Flüchtlingsproblem von zu Hause und wollen im Urlaub möglichst wenig damit konfrontiert sein“, schreibt die Liste und dass man wolle, dass junge einheimische Mädchen auch weiterhin „gefahrlos“ Trägerleibchen und Röcke tragen können. BM Wechselberger schüttelt darüber bestürzt den Kopf. GR Renate Rahm (Team Eberharter) relativiert im TT-Gespräch: „Uns wurde von den Tiroler Sozialen Diensten gesagt, es sollen 52 Männer dort untergebracht werden. Das ist zu viel auf einem Fleck. In klein strukturierten Einheiten gelingt die Integration einfach besser“, meint sie.

BM Wechselberger sucht daher weiter händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten für Schutzsuchende. Eine Gemeindewohnung, die im August frei werde, und eine Wohnung, die ein Zillertaler privat zur Verfügung stellen würde, hat die Dorfchefin jetzt im Visier.