Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.07.2016


Bezirk Imst

Containersiedlung für 72 Flüchtlinge in Haiming

Auf der Ötztaler Höhe entsteht eine Containersiedlung für 72 Flüchtlinge, die ab Oktober einziehen. Die Gemeinde Haiming gewährt das Baurecht für sieben Jahre.

© PloderBezirkspolizeichef Hubert Juen, BM Josef Leitner, Georg Hochfilzer und Georg Mackner stellten sich unter der Moderation von Pia Krismer (v. l.) der sachlichen Diskussion im Oberlandsaal.



Von Thomas Ploder

Haiming – Die Weichen sind gestellt, die Verträge unterschrieben. Für einen symbolischen Euro pro Jahr verpachtet die Gemeinde Haiming auf der Ötztaler Höhe die nötigen Flächen zur Errichtung einer Containersiedlung und gewährt für fünf plus zwei Jahr­e das erforderliche Baurecht. „Das gibt der gesetzliche Rahmen so vor“, erklärte Bürgermeister Josef Leitner bei der Informationsveranstaltung im Oberlandsaal, „deshalb kommen wir auf diese eigenartigen Zahlen.“ Was nach diesen sieben Jahren passiert, weiß heute noch niemand. „Wenn noch Bedarf besteht“, so Leitner weiter, „wird sich der dann amtierende Gemeinderat damit beschäftigen und eine Entscheidung treffen, heute kann dazu niemand etwas sagen.“

Ab Anfang Oktober werden in mehreren Etappen 72 Asylwerber die neu errichteten Quartiere beziehen. Der Grundriss weist zehn Familienzimmer auf, die übrigen Räume werden bei Bedarf als Erweiterung an Großfamilie­n mit erhöhtem Raumbedarf, in der Regel allerdings an Einzelpersonen vergeben. „Die Verteilung auf Familie­n und Einzel­personen, wie auch deren Herkunft, wissen wir selbst erst sehr kurz vor der Ankunft“, erklärt Geor­g Hochfilzer, Regionalleiter für den Westen Tirols bei den Tirole­r Sozialen Diensten, „dazu kann heute noch niemand eine gültige Aussage treffen.“

Derzeit leben im Bezirk Imst in 20 Unterkünften 450 Asylwerber, der Zuwachs um 72 im neuen Containerdorf wird zumindest aus Haiminger Sicht nicht überschritten. „Die erwartete Quote von 1,5 % der Bevölkerungszahl würde 68 Personen ergeben, in den Containern finden 72 Platz. Der kleine Unterschied von vier Personen macht sicher keinen Unterschied“, erklärt Dorfchef Leitner. „Diese 72 Personen sind allerdings in allen Verträgen festgeschrieben. Selbst wenn Private Quartiere zusätzlich anbieten würden, wäre eine Aufstockung unmöglich, weil alle Verträge sofort ungültig würden.“

Georg Mackner, Geschäftsführer der Tiroler Sozialen Dienste, erklärte die Details des laufenden Projektes. Weitere Fragen wurden in der anschließenden Diskussion im bestens besuchten Oberlandsaal beantwortet. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden bewiesen die Haiminger ausgeprägte Diskussionskultur. Streitgespräche unterblieben ebenso wie fremdenfeindliche Äußerungen oder persönliche Angriffe. Zwar konnte man eine allgemeine Verunsicherung förmlich greifen, die Anwesenden erklärten sich in zahlreichen Wortmeldungen aber immer wieder bereit, auf die Asylbewerber zuzugehen und ihnen „beim Ankommen zur Seite zu stehen“. Nachdem die Notwendigkeit ehrenamtlichen Engagements in vielen Bereichen mehrmals ausführlich dargestellt wurde, trugen sich fast 30 Personen als potenzielle ehrenamtliche Helfer in die spontan aufgelegten Listen ein.

In Bezug auf die zu erwartenden Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit legte Bezirkspolizeikommandant Hubert Juen die aktuellen Zahlen vor. Diese belegen, dass von den Asylwerbern bisher keinerlei Kriminalitätszuwachs hervorgerufen wurde. Um dennoch die Sicherheit von innen, aber auch von außen zu gewährleisten, beauftragen die Tiroler Sozialen Dienste die Group4 mit zusätzlichen Security-Aufgaben. Seitens der Betreiber der Area 47 wurde betont, dass das Unternehmen alles veranlassen werde, um Übergriff­e durch Gäste der Area 47 auf Asylwerber zu vermeiden.