Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.07.2016


Exklusiv

Med-Uni gegen Doktor light

Die Medical School ruft die Uni-Spitze auf den Plan. Diese fordert, dass das Land klären lässt, ob eine Ärzteausbildung für Tiroler und Südtiroler verfassungsrechtlich hält.

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© Thomas Boehm / TT



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Einem drohenden Ärztemangel will die Tiroler Landesregierung mit einer zweiten Ausbildungsschiene für Allgemeinmediziner begegnen. Eine Expertengruppe wurde eingesetzt, die untersuchen soll, ob eine solche Ausbildung, eine Medical School, Sinn machen könnte oder nicht. Im Herbst sollen die Ergebnisse auf dem Tisch liegen.

Die neue Ausbildungsschiene soll sich vor allem an Tiroler und Südtiroler Studenten richten, und die wiederum sollen nach der Ausbildung möglichst in Tirol und Südtirol bleiben. Vorzugsweise als Kassenarzt am Land. Wer ein Stipendium erhält, möge an den Standort gebunden werden. Die Zahl der Absolventen aus Tirol habe sich halbiert, dazu komme, dass der Bedarf an Ärzten steige und Kassenstellen schwer nachbesetzt werden könnten, argumentiert Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP). Bei der Medical School dabei sein sollten die Haller Privatuni UMIT, deren Rektor Tilg früher einmal war, die Stammuniversität, die naturwissenschaftliche Fächer unterrichten könnte, und die Medizin-Universität Innsbruck.

Diese sah sich nach einem Vorstoß der Hochschullehrergewerkschaft letzte Woche veranlasst, in der Causa Medical School „mit einer Stimme zu sprechen“. Die Medizin-Universität lehne eine Medical School nicht ab, man verstehe die Sorgen des Landes, aber „einen Dr. med. light“ wird es mit uns nicht geben“, erklärten Rektorin Helga Fritsch, der Vorsitzende des Unirates, Reinhard Putz, Senatsvorsitzender Martin Krismer und Betriebsrat Martin Tiefenthaler.

Letzterer hatte die Debatte ins Rollen gebracht. Das Land solle die Millionen lieber in Ausbildungsplätze an der Medizin-Uni stecken, hatte Tiefenthaler gemeint und auch gleich Bedenken über die Qualität der Ausbildung an einer Medical School ins Treffen geführt.

Diese Sorge teilt Senatsvorsitzender Krismer auch. Ziel müsse es sein, eine qualitativ hochwertige Ausbildung anzubieten. „Die Medizin-Universität ist der Garant für diese Qualität.“ Es brauche ein wissenschaftliches Umfeld. Der Mediziner von heute müsse sich auf ein lebenslanges Lernen einstellen, sagt Tiefenthaler. „Arbeitsplätze werden sich ändern. Da nützt es wenig, die Ausbildung als eine Einbahnstraße zum Allgemeinarzt zu sehen“, legt Fritsch nach. „Die besten Mediziner sind jene, die den Fortschritt mitverfolgen können.“

Uniratsvorsitzender Putz fordert, dass die Landesregierung verfassungsrechtlich klären lässt, ob die Idee, vorwiegend Tiroler und Südtiroler Studenten zuzulassen, überhaupt hält. „Das ist wie bei einer Ehe, da ist es auch besser, einen Ehevertrag zu haben.“ Ohne diese Absicherung werde es kein Engagement der Med-Uni geben. „Man baut zuerst das Fundament und nicht das Dach“, meint Fritsch.

Als organisatorischer Träger der neuen Ärzteausbildung würde die UMIT in Hall fungieren. Deren Rektorin, Sabine Schindler, hatte in der TT gemeint, die Medizin-Uni trete dem Projekt mit einer „gewissen Arroganz“ gegenüber. Sie könne das Projekt aber nicht zu Fall bringen. Es brauche keine „über Jahrhunderte gewachsene Struktur einer Alma Mater“, um eine Ärzteschmiede aufzubauen. Das hätten andere Bundesländer gezeigt. „Diese Aussagen muss man gar nicht kommentieren“, sagt Uniratsvorsitzender Putz.

Die Gemüter scheinen also auf beiden Seiten etwas erhitzt zu sein. Vielleicht kühlt die Großwetterlage zwischen der bundeseigenen Med-Uni und der landeseigenen UMIT über den Sommer etwas ab.