Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.08.2016


Innsbruck-Land

Großer Schritt für Umfahrung in Scharnitz

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© Land Tirol/Entstrasser-Müller



Scharnitz – „Auf diesen Tag hat Scharnitz sehr, sehr lange gewartet. Nun nimmt die Entlastung mehr und mehr Gestalt an“, freute sich BM Isabella Blaha gestern beim offiziellen Startschuss für den Porta-Claudia-Tunnel, das Herzstück der viel diskutierten Umfahrung Scharnitz.

Der Tunnel mit einer Gesamtlänge von 959 Metern beginnt im Süden, am ehemaligen Sportplatzareal, mit einem 236 Meter langen Abschnitt in offener Bauweise, danach folgt eine 672 Meter lange geschlossene Tunnelstrecke, die im bergmännischen Vortrieb aufgebrochen wird. Im Norden, kurz vor dem Isarufer und nahe der Festung Porta Claudia, endet der Tunnel mit einem weiteren, 51 Meter langen offenen Abschnitt.

„Insgesamt 65.000 Kubikmeter Fels werden ausgebrochen“, berichtet Projektleiter Matthias Aschaber vom Land Tirol. Auf 35 Meter Lockermaterialvortrieb – technisch höchst schwierig – folgt nun Festgestein in Form von Wettersteinkalk. „Der sollte unkompliziert sein“, hofft Dietmar Kerbis, GF der ausführenden Firma Marti GmbH. Wenn alles planmäßig verläuft und die geologischen Prognosen eintreffen, ist der Durchschlag noch vor Weihnachten geplant. Das Tunnelprojekt kostet rund 19 Mio. Euro, die Umfahrung, die bis Ende 2018 fertiggestellt sein soll, insgesamt 34 Mio. Euro. Der Vortrieb erfolgt im 24-Stunden-Schichtbetrieb, auch nachts ist mit Sprengarbeiten zu rechnen. „Aber je weiter wir im Berg drin sind, desto weniger belastend wird es“, betont Aschaber.

Blaha zeigte sich froh, dass es letztlich gelungen sei, alle Grundbesitzer zu überzeugen – insgesamt waren von der Grundeinlöse für die Umfahrung 52 Grundstücke betroffen. Nun hofft Blaha auf Impulse für die innerörtliche Entwicklung: „Einheimische und Gäste sollen wieder gern im Dorfzentrum verweilen.“

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Im Schnitt rollen derzeit rund 7000 Fahrzeuge täglich durch Scharnitz, an Spitzentagen bis zu 18.000. Künftig sollen drei Viertel des Verkehrs durch den Tunnel fließen.

Während der Bauzeit wird der Tunnel den Namen von Tunnelpatin Anneliese Vonmetz tragen, die gestern die Arbeiten mit einer symbolischen Sprengung eröffnete. „Für mich ist das ein ganz besonderer Moment, ich stehe hier für meinen Mann und meine Tochter“, erklärte sie. Der damalige Scharnitzer Vizebürgermeister Bernhard Vonmetz, der sich sehr für die Umfahrung eingebracht hatte, und seine Tochter waren Ende 2014 bei einer Bergtour tödlich verunglückt. (md)