Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.08.2016


Landespolitik

Fortsetzung der Schutzwald-Tradition

Seit 25 Jahren ist man in Längenfeld stolz auf die „Arbeitsgemeinschaft Schutzwaldverbesserung“. Allein in den letzten fünf Jahren wurden 37.600 Bäume gesetzt. Doch die Arbeit im Schutzschild Wald hört nicht auf.

Die steilen Hänge über dem Ötztal müssen mit dem Schutzschild Wald gesichert werden, sind BM Richard Grüner, LHStv. Josef Geisler, Andreas Pohl und Agrar-Obmann Edmund Auer (v.l.) überzeugt.

© PaschingerDie steilen Hänge über dem Ötztal müssen mit dem Schutzschild Wald gesichert werden, sind BM Richard Grüner, LHStv. Josef Geisler, Andreas Pohl und Agrar-Obmann Edmund Auer (v.l.) überzeugt.



Von Alexander Paschinger

Längenfeld – „90 Prozent unseres Waldes ist Schutzwald. Die Hälfte davon wächst über Siedlungsgebiet“, fasst der Bürgermeister von Längenfeld, Richard Grüner, die Wichtigkeit des Bannwaldes in seiner Gemeinde zusammen. Der gepflegte Schutzwald freut vor allem auch den zuständigen Regierungsreferenten, LHStv. Josef Geisler, „denn die technische Verbauung steht im Vergleich zum Schutzwald in keinem Verhältnis“. Denn die laufende Pflege des Schutzwaldes sei „15-mal günstiger als dessen Sanierung“ und die Verbauung von Lawinen- oder Wildbächen kostet 146-mal so viel, sagen die Experten.

Und mit Naturgefahren geizt die Ötztaler Gemeinde wie viele Orte im Tal nicht: 51 Lawinenstriche und 31 potenzielle Murbäche weist der Gefahrenzonenplan aus. Dazu kommt der Fischbach, der in den vergangenen Jahrhunderten viel Unglück über die Gemeinde gebracht hat.

Nicht zuletzt deshalb wurde vor 25 Jahren ein viel beachtetes Schutzwald-Projekt ins Leben gerufen, an dem nicht nur Gemeinde und Bezirksforstinspektion, sondern auch die Agrargemeinschaften teilnehmen. Sogar den Alpinen Schutzwaldpreis hat die Kooperation „Arbeitsgemeinschaft Schutzwaldverbesserung Längenfeld“ eingeheimst. „Da hat Längenfeld eine große Tradition“, kommentiert LHStv. Geisler. Allein in den letzten fünf Jahren wurden 1,6 Millionen Euro in Längenfeld investiert.

„Cash Cow ist der Schutzwald keine“, sagt Geisler. Und auch Andreas Pohl von der Bezirksforstinspektion weiß, „dass es allein mit der Altholz­entnahme nicht getan ist“. Die sei „sehr schwierig“, erklärt der Obmann der Agrar Unterlängenfeld, Edmund Auer, der seine Mitglieder in der Anfangszeit auch davon überzeugen musste, im betroffenen Gebiet auf die Vorweide zu verzichten.

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Mittlerweile ist man in Längenfeld bestens eingespielt. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir auf 106 Hektar den Wald gepflegt und 24.500 Kubikmeter Holz geerntet, um Platz für Nachwuchs zu schaffen“, erzählt der Bürgermeister. 37.600 Forstpflanzen seien auf 50 Hektar gesetzt worden. „Das war nur möglich, weil unsere Gemeinde ein gutes Miteinander mit den Argargemeinschaften pflegt.“

Im Rahmen von so genannten Flächenwirtschaftlichen Projekten würden Pflege- und Verjüngungsmaßnahmen sowie Aufforstungen genauso durchgeführt wie Maßnahmen zum Frostschutz und zur Klimaanpassung, erklärt Geisler weiter. „Was wir heute pflanzen, das wird erst in 150 Jahren richtig ersichtlich“, erklärt Pohl die langfristige Strategie. Eine davon ist das Flächenwirtschaftliche Projekt Ötztal. Bis 2029 werden 10.000 Hektar Schutzwald mit 2,2 Millionen Euro auf Vordermann gebracht. „Dabei sollen auf 8500 Hektar Waldpflegemaßnahmen stattfinden und 500.000 neue Bäume gepflanzt werden“, so Pohl. 75 Prozent der Kosten werden gefördert.