Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.08.2016


Landespolitik

Lage in Italien für Tirol „Anlass zur Sorge“

Italien hat zwar die Aufnahme von Asylwerbern in der Grundversorgung massiv erhöht, doch die Kapazitäten bei den südlichen Nachbarn stoßen langsam an die Grenzen.

© Thomas Boehm / TTDie Situation am Brenner wird von der Polizei weiterhin im Auge behalten – auch wenn es vorerst relativ ruhig ist.Foto: Böhm



Von Marco Witting

Innsbruck – Im Juli registrierten die italienischen Behörden an ihren Küsten insgesamt 23.389 Menschen – eine neuerliche Steigerung zum Vergleichszeitraum 2015. Und auch im August wurden bisher bereits 6534 Flüchtlinge aufgenommen. Offizielle Zahlen des UNHCR, die auch in Tirol für einige Beunruhigung sorgen. Denn Italien hat zwar die Aufnahme von Asylwerbern in der Grundversorgung massiv erhöht – doch die Kapazitäten bei den südlichen Nachbarn stoßen langsam an die Grenzen. Und gerade im Herbst wird allgemein erwartet, dass sich die Situation weiter zuspitzen könnte.

Auch die Tiroler Polizei hat zuletzt wieder steigende Aufgriffszahlen registriert – die TT berichtete Anfang der Woche. Waren es im Mai noch knapp zehn Flüchtlinge, die von der Polizei am Brenner aufgegriffen wurden, sind es mittlerweile zwischen 40 und 50. Einen „schleichenden Anstieg“ nannte das Landespolizeidirektor Helmut Tomac und kündigte an, weiter ein wachsames Auge auf die Lage in Italien und an den Grenzübergängen zu haben. Landeshauptmann Günther Platter hat unterdessen mit den Bürgermeistern der Grenzgemeinden Gries, Nauders und Sillian Kontakt aufgenommen, um sich über deren Sicht auf die aktuelle Situation zu informieren. Aktuell sei die Situation ruhig. Deshalb sei auch kein Grund zur Panik gegeben. „Angesichts der Verschärfung der Flüchtlingssituation in Italien braucht es aber sehr wohl erhöhte Wachsamkeit“, erklärte Platter.

Nachdem Flüchtlinge an der italienisch-französischen Grenze gewaltsam eine Grenzsperre durchbrochen haben, will man die Situation weiter im Auge behalten und der Landeshauptmann sieht „Anlass zu ernsthafter Sorge“. Es sei zu befürchten, dass die aktuelle Situation „trotz der engagierten Kontrollen südlich des Brenners nur eine Verschnaufpause bedeutet und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Italien am Ende seiner Kapazitäten angelangt ist“.

Bei den Verantwortlichen der EU müssten die Alarmglocken schrillen, erklärte Platter weiter. Sollten Frankreich und die Schweiz daran denken, ihre Grenzen zu Italien zu schließen, würde „der Druck auf Österreich, speziell Tirol“, steigen. „Wir können nicht sehenden Auges in eine unzumutbare Situation für unser Land steuern“, sagte Platter.