Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.08.2016


Exklusiv

Nord- und Südtirol setzen weiter auf Medical School

Die Ärzteschmiede könnte vom Europäischen Gerichtshof ins Wanken gebracht werden. LH Kompatscher und LR Tilg zeigen sich kämpferisch.

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© Keystone



Von Anita Heubacher

Innsbruck, Bozen – Südtirol werde versuchen, sein Stipendienmodell zu verteidigen, erklärt Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP). Das Modell stelle sicher, dass es junge Ärzte, Allgemeinmediziner wie Fachärzte, in der Region gebe. „Es hat sich bewährt. Für eine Leistung gibt es eine Gegenleistung“, meint Kompatscher gegenüber der TT.

Gemäß den gesetzlichen Vorgaben, die in Italien die Ärzteausbildung nur auf Stipendiumsbasis vorsehen, bezahlt Südtirol ein Stipendium von 2084 Euro brutto im Monat über mehrere Jahre, je nachdem welche Ausbildungsschiene eingeschlagen wird. Das ist die Leistung der Provinz Bozen. Als Gegenleistung verpflichten sich Ärzte, eine gewisse Zeit in einem gewissen Zeitrahmen in der Region zu arbeiten. Dieser Verpflichtung seien einige Ärzte nicht nachgekommen, heißt es aus Bozen. Die meisten hätten anstandslos das Stipendium zurückgezahlt, einige hätten geklagt. Bisher gab das Oberlandesgericht der Behörde immer Recht. Die Südtiroler Ärztin rief allerdings den Europäischen Gerichtshof an. Die Entscheidung könnte dauern.

Das wäre für Tirol abträglich. Tirol setzt zusammen mit Südtirol auf eben ein solches Stipendienmodell, um Ärzte in den beiden Landesteilen zu halten. Bis 2018 soll eine Medical School in Innsbruck und Hall installiert sein und angehende Allgemeinmediziner aus der Region für die Region ausbilden. Weil das an der Medizin-Universität schwer umzusetzen sei, habe die Tiroler Landesregierung einen entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst, betont Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP). Bis Herbst lässt er die rechtlichen Rahmenbedingungen prüfen. Dann wolle man entscheiden. Bis dahin liegt aber auf keinen Fall eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes vor. Tilg will trotzdem an der landeseigenen Ärzteausbildung festhalten. „Irgendetwas müssen wir gegen den drohenden Ärztemangel in Tirol tun“, meint er.

Europarechtler Walter Obwexer von der Universität Innsbruck hat die Südtiroler bei ihrem Stipendienmodell beraten und tut das auch für beide Landesregierungen im Fall der Medical School. Ziel sei, dass das Südtiroler Modell halte. „Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, aber es gibt eben keine Sicherheit, bis der Europäische Gerichtshof entschieden hat“, sagt Obwexer.

Wie viele Ärzte ihre Stipendien zurückzahlen mussten, kann die Behörde in Bozen nicht genau beziffern, da viele Verfahren gerade laufen würden. Es werde genau kontrolliert. Dadurch würden sich einige Ärzte an ihre Verpflichtung zu bleiben auch wieder erinnern, heißt es.