Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.08.2016


Hintergrund

Blinddarm bringt nicht gleich viel

Spitäler bekommen Operationen unterschiedlich abgegolten. Das soll sich ändern.

Für eine Operation bekommen Spitäler unterschiedlich viele Punkte und damit Geld. Das ärgert Wirtschaftskammer und Privatspitäler.

© iStockFür eine Operation bekommen Spitäler unterschiedlich viele Punkte und damit Geld. Das ärgert Wirtschaftskammer und Privatspitäler.



Wien — Für Patienten bringt eine Blinddarm-Operation hoffentlich Erleichterung, für Spitäler unterschiedlich viele Punkte und damit Geld. Diesem System liegt die Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) zugrunde. Ebendies prangerten gestern in Alpbach bei einer Podiumsdiskussion der Fachverband der Gesundheitsbetriebe in der Wirtschaftskammer und der Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs an. Der Tenor der Interessenvertreter: Gleiche Leistungen gehörten gleich abgegolten. Sie forderten gestern eine dringende Veränderung im Finanzierungssystem. Zur Erklärung: In Österreich liegt jeder medizinischen Indikation ein LKF-Punktewert zugrunde. Allerdings gibt es Unterschiede in der Bewertung, je nachdem ob die Leistung von einer öffentlichen oder privaten Krankenanstalt erbracht wird.

„Ein bundesweit einheitlicher Wert je LKF-Punkt für öffentliche und private Krankenanstalten, ein effizienter Mitteleinsatz und Transparenz sind die essenziellen Schritte, um unser solidarisches Gesundheitssystem nachhaltig und langfristig abzusichern", ist Fachverbandsobmann Julian M. Hadschieff überzeugt. Und er betont: „Es geht immer um ein ?sowohl als auch' und nie um ein ?entweder oder', denn private Medizin ist ein integraler Bestandteil der österreichischen Gesundheitsversorgung."

Tatsächlich finanzieren privatversicherte Patienten die öffentlichen Spitäler mit, wenn sie an solchen behandelt werden. Neben dem Honorar für den Primararzt und das nachgeordnete Personal schneiden auch die Spitäler über den Hausanteil mit.

Auch Thomas Kreuz vom Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs fordert: „Die Intransparenz muss endlich ein Ende haben und Gesundheitsdienstleistungen sind bundesweit einheitlich zu kalkulieren." Hauptverbandschefin Ulrike Rabmer-Koller meinte: „Wir brauchen Gesamtkonzepte und müssen die Effizienz erhöhen. Ein einheitlicher Finanzierungstopf muss unser Ziel sein, wobei im Mittelpunkt immer der Patient steht und das, was er an Leistungen braucht." (TT)