Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.09.2016


Osttirol

Natura-Fördergeld beginnt in Osttirol zu fließen

Die ersten zehn Projekte für die Sonderförderung der Iselgemeinden sind eingereicht. Geld gibt es für die Verbesserung von Privatzimmern bis hin zur Kinderbetreuung.

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© Oblasser



Von Catharina Oblasser

Lienz – Gute Ideen sind gefragt: Das kann ein neuer Radweg oder eine Greißlerei mit Treffpunktfunktion genauso sein wie eine innovative neue Holzverarbeitungsanlage. Wird ein Projekt als geeignet eingestuft, gibt es extra Geld zusätzlich zu den üblichen Fördermodellen. Dieses Geld kommt aus dem Sonderförderprogramm Natura 2000 und gilt für die elf Gemeinden, die an der Isel, am Kalserbach und im Defereggental liegen. Damit sollen mögliche negative Folgen ausgeglichen werden, die durch die Unter­schutzstellung entstehen. Am 3. Oktober behandelt das Entscheidungsgremium die ersten zehn Einreichungen.

Schon für heuer sind 500.000 Euro im Topf, das gesamte Paket umfasst zehn Millionen Euro für die kommenden zehn Jahre. Sechs Prozent davon werden für Personal- und Managementkosten abgezogen. Denn für die Abwicklung der Natura-2000-Förderung ist ein neuer Mitarbeiter eingestellt worden: Clemens Holzer, 32 Jahre, gebürtig aus Matrei, der in Innsbruck Geographie studiert hat und Erfahrung bei der Abwicklung von internationalen Projekten hat. Ansprechpartner für alle, die auf Geld aus dem Sondertopf hoffen, ist das Regionsmanagement Osttirol (RMO). Obmann Dietmar Ruggenthaler, Geschäftsführer Michael Hohenwarter und Bezirkshauptfrau Olga Reisner stellten gestern die Eckpunkte der Sonderförderung vor.

In groben Zügen soll das Programm die hohe Frauenarbeitslosigkeit von 15 Prozent bekämpfen, die Abwanderung dämpfen, die Produktivität im Gewerbe steigern und touristische Nächtigungen mit besserer Auslastung bringen. „Förderwürdig sind Projekte, die den Schwerpunkt auf Qualität legen, nicht auf Masse“, erklärt Hohenwarter. „Alles, was für unsere Region typisch ist, soll entsprechend in Szene gesetzt werden. So lassen sich auch angemessene Preise erzielen.“

Angesprochen sind innovationsfreudige Akteure in Tourismus, Gewerbe oder auch der Daseinsvorsorge, zum Beispiel bei Kinderbetreuung. Willkommen sind Projekte, die das Bergerleben, Naturinszenierung und Kulinarik in den Mittelpunkt stellen – und am besten als ganzes Paket buchbar sind.

Stichwort Frauenarbeitsplätze: Die Privatzimmervermietung soll wieder forciert werden, für sie gibt es spezielle Förderrichtlinien. „Privatzimmervermietung wird unter ihrem Wert geschlagen“, meint Ruggenthaler. „Aber in den Tälern sind sie die Marmelade aufs Butterbrot.“

Von der ersten Idee bis zur Geldspritze

Kontakt. Unternehmer, Privatpersonen, aber auch Gemeinden und Vereine aus dem Natura-2000-Gebiet können einen Antrag auf Förderung stellen. Dazu müssen sie ihre Idee mit allen verfügbaren Unterlagen und einem Abwicklungsplan beim Regionsmanagement einreichen. Dort wird geprüft, ob das Projekt den Vorgaben des Förderprogramms entspricht und ob es vielleicht auch aus anderen Töpfen (zusätzlich) gefördert werden könnte.

Entscheidung. Die nächste Station ist das Fördergremium. Es besteht aus Bezirkshauptfrau Olga Reisner als Vorsitzender, den Bürgermeistern Andreas Köll (Matrei) und Karl Poppeller (Ainet), TVB-Obmann Franz Theurl und den Landesvertretern Werner Draschl und Christian Stampfer. Wenn das Gremium für das Projekt stimmt, muss noch die Tiroler Landesregierung einen Beschluss fassen.

Fördergrenzen. Kein Projekt ist zu klein — jedenfalls sehen die Richtlinien keine Untergrenze der Investition vor. Die Höchst-Fördersätze für Klein- und Mittelbetriebe liegen bei 20 Prozent. Nicht betriebliche Projekte, etwa zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, können mit bis zu 50 Prozent gefördert werden.