Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 25.09.2016


Exklusiv

Ruf nach engeren Grenzen bei Schulsponsoring

Firmen und Banken organisieren Sportveranstaltungen für Schulen, Eltern zahlen den Bus für einen Schulausflug und die Bibliothek. Um Spenden und Sponsoring für Schulen ist

nun eine Diskussion entbrannt.

© iStockSchulkinder dürfen nicht mit aggressiven Geschäftspraktiken umworben werden, lässt das Bildungsministerium die Schulen wissen. (Symbolfoto)



Von L. Pircher, B. Warenski

Innsbruck, Wien – An einer Tiroler Neuen Mittel­schule (NMS) hat ein Vater die Buskosten für einen Schulausflug übernommen. An einigen Tiroler Volksschulen sind von Eltern Geldspenden in die Schulbibliothek geflossen. In anderen Volksschulen im Oberland wurden gebrauchte Computer als Sachspende übergeben. Zudem ist es in Tirol wie auch in den anderen Bundesländern üblich, dass Firmen bzw. Banken Schulveranstaltungen organisieren und finanziell auf die Beine stellen.

Dass Schulsponsoring in vielen Facetten zugenommen hat, kritisiert ein­e Gruppe von Schülern (der Redaktion bekannt), die befürchtet, dass an die Spenden gewisse Erwartungen geknüpft werden. Die Direktorin einer NMS, die aus Angst vor Konsequenzen nicht genannt werden will, sieht das Thema Sponsoring pragmatisch: „Woher sollten wir als Schule das Geld für größere Sportveranstaltungen nehmen? Das würde sich aus dem Budget nie ausgehen. Das machen alle, dass sie hier auf Sponsoren zurückgreifen, die dafür bei der Veranstaltung dann ihren Firmennamen auf einem Plakat oder Transparent zeigen können.“

Wie viele andere Bundes­schulen sind auch an der Innsbrucker HTL Anichstraße Plakatflächen an spezielle Werbefirmen vermietet: „Wichtige Unterstützung aus der Wirtschaft bekommen wir durch Firmen und Institutionen, die Mitglieder im Kuratorium der HTL sind. Diese Spenden fließen direkt in Projekt- und Diplomarbeiten, welche die Schule sonst nicht finanzieren könnte“, erklärt Direktor Günther Laner. Auch Sachspenden in Form von Spezialzubehör und Einzelgeräten gebe es von Firmen, die an der Ausbildung von Ingenieuren interessiert seien. Weiteres Sponsoring wär­e für HTLs dringend notwendig, scheitere aber oft am Willen, langfristig in Bildung zu „investieren“. Aber: „Ein Sponsoring von Eltern gibt es bei uns nicht“, sagt Laner.

Gesetzlich ist gegen Werbung und Sponsoring nichts einzuwenden. Mit der Novelle des Schul­unterrichtsgesetzes wurde 1997 das Werbeverbot an den Schulen gelockert. Schulen haben seitdem die Möglichkeit, Verträge mit Partnern abzuschließen, um über ihr Budget hinaus Einkommen zu erwirtschaften und zweckgebunden zu verwenden, solange „die gesetzliche Erfüllung der Aufgabe der Schule damit nicht beeinträchtigt wird“. Nachdem ein Geldinstitut aber Geschenkboxen bei Schuleinschreibungen verteilt hatte und Mit­teilungshefte als Werbe­träger genutzt wurden, hat das Bildungsministerium die „Werbefreiheit“ etwas eingeschränkt. In einem Rundschreiben wurde 2015 österreichweit darüber informiert, dass u. a. aggressive Geschäftspraktiken und das Verteilen von Werbematerial im Unterricht eine Rechtsverletzung darstellen.

Für Reinhold Raffler, Direktor des Landesschulrats Tirol, ist es „grundsätzlich unproblematisch, dass Firmen oder Privatpersonen Schulsponsoring machen. Von Seiten der Schule braucht es halt entsprechendes Fingerspitzen­gefühl.“ Problematisch wird es laut Raffler nur dann, „wenn der Verdacht entsteht, dass sich jemand eine Gegenleistung in Form von Begünstigungen oder Vorteilen erhofft“. Bei den Eltern sind laut Umfrage des Instituts für Familienforschung die meisten Schulsponsoring gegenüber positiv und offen eingestellt. Etwa ein Drittel aber hält dies für kritisch – nicht zuletzt, weil es Befürchtungen gibt, dass sich Sponsoring mitunter auch „positiv“ auf Noten auswirke.