Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.10.2016


Exklusiv

Studie bremst neue Tunnel für Fernpass

Eine Studie für das Land Tirol ist ernüchternd: Tschirgant- und Schei­teltunnel entlasten zwar die Anrainer, aber kaum die Verkehrsteilnehmer.

© Thomas BöhmAn Spitzentagen quälen sich bis zu 29.000 Pkw über den Fernpass. Richtung Deutschland bringen die geplanten Tunnels keine Entlastung.



Innsbruck – Die Probebohrungen für den Fernpass-Scheiteltunnel bedeuten für LH Günther Platter (VP) bereits den Startschuss für den Bau der 1,570 Kilometer langen Verbindung. Zusammen mit dem Tschirganttunnel (4,3 Kilometer) soll er die an Spitzentagen mit bis zu 29.000 Fahrzeugen belastete Fernpassroute entlasten. Doch wie sinnvoll sind die beiden mit Baukosten von 280 Mio. Euro bezifferten Tunnel wirklich?

Eine Studie des Landes (Köll-Gutachten), die im Vorjahr auch in die Fernpassstrategie eingeflossen ist, kommt zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis: Die Bevölkerung am Mieminger Plateau und im Gurgltal würde zwar vom Verkehr entlastet werden, doch auf der Strecke selbst gäbe es kaum eine Entlastung. Im Gegenteil: Laut Studie führen die beiden Tunnel an Reiseverkehrstagen in Richtung Außerfern „zu gleichen oder sogar höheren Reisezeiten“. Weitere Blockabfertigungen seien zu erwarten. Der Effekt in Fahrtrichtung Inntal ist gegenüber der jetzigen Situation ebenfalls ein geringer: Im Köll-Gutachten wird er lediglich mit neun Minuten beziffert. Nach dem Lermooser Tunnel dürfte es nämlich auch beim neuen Scheiteltunnel zu Block­abfertigungen kommen.

Einzig an Werktagen geht es ein wenig schneller: Die Zeitersparnis für die 96 Kilometer lange Strecke gegenüber bisher beträgt nach Ansicht der Experten maximal 13 Minuten. Letztlich verlagern Scheitel- und Tschirganttunnel mehr Verkehr auf die Fernpassroute: nämlich 24 Prozent. (pn)

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