Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.10.2016


Exklusiv

Viel Schatten, aber wenig Licht am Ende des Tunnels

Wird das Außerfern mit den zwei von der ÖVP forcierten Tunnelvarianten noch mehr zum Nadelöhr? Nein sagen VP-Politiker, Ja Impuls und Grüne.

© thomas boehmSymbolfoto.



Innsbruck – Die Verkehrsstudie zum „Fernpassscheiteltunnel unter Berücksichtigung des Tschirganttunnels“ im Auftrag des Landes löst jetzt einmal mehr heftige Debatten aus. Denn die Auswirkungen der beiden 1,6 bzw. 4,3 Kilometer langen Tunnel sind für die Verkehrsteilnehmer bescheiden. Laut Studie kommt es in den Spitzenreisezeiten in Richtung Außerfern „zu gleichen oder sogar höheren Reisezeiten“. Weitere Blockabfertigungen sind zu erwarten. In die Gegenrichtung beträgt die Zeitersparnis maximal neun Minuten, die Tunnel würde außerdem mehr Verkehr anziehen.

Trotz der zusätzlichen Maßnahmen auf der Fernpassroute wie Dosiersystem, Blockabfertigungen, Abbiegeverbote und bauliche Veränderungen wird durch die Tunnelkette, die zwar die Bevölkerung und die Gemeinden am Mieminger Plateau und im Gurgltal vom Verkehr entlasten würde, ein Nadelöhr im Außerfern befürchtet. Die ÖVP rückte gestern sofort zum „Downgrading“ (Herunterspielen) aus. Schließlich hatte LH Günther Platter (VP) vor eineinhalb Wochen den Bau des Scheiteltunnels gegenüber den ÖVP-Granden im Bezirk als politisch fix verkündet. Und auch den vom Verkehrsministerium abgelehnten Tschirganttunnel hat Platter weiterhin auf seiner Verkehrsagenda. Es sei kein Geheimnis, dass die Umsetzung von Tschirgant- und Scheiteltunnel alleine zu wenig sei, um die Verkehrssituation in der Region zu entspannen, betonen BR Sonja Ledl-Rossmann und NR Elisabeth Pfurtscheller.

Straßenbaureferent LHStv. Josef Geisler (VP) sieht das Land mit der Fernpassstrategie auf dem richtigen Weg. „Das alles geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber die Tunnels sind ebenfalls notwendig.“ Tirol halte daran fest, auch am Tschirganttunnel. „Davon werden wir auch den Bund und den Autobahnbetreiber Asfinag überzeugen.“ Nicht wie gestern berichtet 200, sondern 340 Millionen Euro dürfte der Tschirganttunnel kosten. Die Baukosten für den Scheiteltunnel werden mit 75 Mio. Euro beziffert.

Für Impuls-Mandatarin Maria Zwölfer ist das alles nur Flickwerk. „Obwohl das Außerfern nichts dafür kann, zieht es Verkehr an. Dem müssen wir uns stellen.“ Wenn schon, dann benötige es ein Gesamtkonzept und eine große Tunnellösung. Zwölfer forciert den 9,5 Kilometer langen Gartnerwandtunnel direkt von Nassereith nach Bichlbach. Kostenpunkt: rund 610 Mio. Euro. Mit den ÖVP-Tunnelvarianten befürchtet sie einen endgültigen Verkehrskollaps im Bezirk Reutte.

Der Koalitionspartner der ÖVP, die Grünen, will überhaupt kein Licht am Ende des Tunnel sehen. „Die vorgeschlagenen Maßnahmen der Fernpassstrategie sind schrittweise in Umsetzung, um die Verkehrssituation für die Bevölkerung zu verbessern und den Verkehr zu reduzieren“, betont Verkehrssprecher und Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig. Aufgabe des Landes sei es, die Bevölkerung vor weiteren Verkehrsbelastungen zu schützen und nicht mehr Verkehr mit sündteuren Tunnelvarianten zu befördern. „Es braucht eine ehrliche Debatte über die Tatsache, dass schnellere Straßenverbindungen mehr Verkehr anziehen.“ (pn)




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