Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.10.2016


Landespolitik

Endlosstreit um B 179 in neuer Runde

Wirtschaftsbundobmann Müller, FPÖ-Bezirkschef Walch und Abgeordnete Zwölfer bringen sich zur Fernpassproblematik ein.

© Tschol



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Peter Müller ist einer jener Außerferner, die sich über Jahre intensiv mit der Verkehrsproblematik der B 179 und möglichen Lösungsvorschlägen beschäftigt haben. So erkannte der VP-Wirtschaftsbundobmann etwa die Zebrastreifen am Fernsteinsee als Verkehrsflussbremser. Er ist ein Verfechter vieler kleiner Schritte. Der aktuelle Diskurs um den Fernpassscheiteltunnel (FST) macht ihn beinahe wütend. „Vorschläge wie ein Gartnerwandtunnel Bichlbach/Nassereith bedeuten doch in Wirklichkeit, dass wieder 30 Jahre nichts passieren würde. Das ist realitätsfremd“, stört ihn das Gerede ohne Verwirklichungswillen. „Der Scheiteltunnel ist ein Schritt, die Strecke zu verbessern. Davor und danach wird es mehrspurige Überholmöglichkeiten wie beim Lermooser Tunnel geben“, kündigt Müller an.

Der FST verkürze die Fahrtstrecke am Pass von fünf auf 1,3 km, die Emissionen würden um 90 Prozent sinken; der engste, steilste, schneereichste und geologisch gefährdetste Streckenabschnitt am Fernpass wäre so unterwandert. Müller ist froh über das einhellige Votum von Bürgermeistern und Wirtschaft in Westtirol und stellt sich hinter Landeshauptmann Platter, der Verwirklichung und Finanzierung durch das Land Tirol zugesagt hat. Müller ist klar, dass damit dem Wochenendstau nicht begegnet werden könne, aber unter der Woche vieles besser würde. Ginge es nach ihm, könnten die Ampeln an den Tunneln gleich genutzt werden, das Dosiersystem auszuweiten.

Von alledem überhaupt nichts hält FPÖ-Bezirksobmann Fabian Walch, wie er in einer Aussendung bekräftigt: „Die Fernpassproblematik zeigt symptomatisch die chronische Unfähigkeit der ehemaligen Volkspartei ÖVP.“ Eine reine Augenauswischerei sei das Theater, das seit einigen Wochen im Bezirk rund um eine vermeintliche Fernpasslösung betrieben werde. „Ein Scheiteltunnel ist nichts Weiteres als ein zusätzliches Nadelöhr“, beklagt Walch.

Die Impuls-Tirol-Abgeordnete Maria Zwölfer aus Lermoos wird in Sachen B 179 im Landtag aktiv. Sie fordert öffentliche WCs entlang der Fernpassstrecke. Fehlende Toiletten würden zu unhaltbaren hygienischen Zuständen führen. Haltebuchten, Parkplätze, Holzlagerplätze, Städel, aber auch Sträucher und Büsche würden benützt. „Ein katastrophaler Zustand, der in keinster Weise europäischen Hygienestandards und Gewässerschutzrichtlinien entspricht“, erklärt Zwölfer.