Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.11.2016


Landespolitik

Innsbrucker Rapoldipark bleibt Brennpunkt

Eine Bewohnerin der Sillinsel berichtet von untragbaren Zuständen. Im Rapoldipark sind vermehrt Mitglieder der nordafrikanischen Drogenszene präsent. Alle Parteien fordern Lösungen, ein Patentrezept hat niemand.

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© Andreas Rottensteiner / TT



Von Denise Daum

Innsbruck – Sie habe sich in einer Art Hölle wiedergefunden. Eine Anrainerin des Rapoldiparks schildert auf drastische Weise ihre Lebenswelt. Sie tat dies in einem Brief an die Mitglieder des Gemeinderats, der sich wie ein verzweifelter Hilferuf liest. „Das Stadtgebiet Pradl, Rapoldipark, Sillinsel, Museumstraße, Bahnhofsgelände ist in einem erschreckenden Ausmaß zum Herrschaftsgebiet regelloser junger Männer afrikanisch-arabischer Herkunft geworden.“ Rund um ihre Wohnung würden „junge, dubiose Typen“ Drogen deponieren, holen und ungeniert ihre Geschäfte abwickeln.

Die Anrainerin berichtet auch von Belästigungen gegenüber Frauen. „Wieso müssen wir Frauen uns im Jahre 2016 in Innsbruck die präpotenten Gesten und Worte dieser verrohten Typen gefallen lassen?“, fragt sie die Innsbrucker Politiker.

Die TT hat die Sicherheitssprecher der Innsbrucker Gemeinderatsfraktionen um eine Stellungnahme dazu gebeten. Alle haben eingeräumt, dass ihnen diese Probleme bereits bekannt seien. Kurt Wallasch (Für Innsbruck) fordert, dass den Kriminellen der Aufenthalt so unangenehm wie möglich gemacht werden müsse. „Dazu gehört, den Kontrolldruck durch Exe­kutive und Justiz permanent zu erhöhen. Das benötigt entsprechende Ressourcen.“

Es sei nun mal Faktum, dass sich die Sicherheitslage in Innsbruck verändert habe, sagt Franz Gruber (ÖVP). „Es braucht eine Verschärfung des Strafrechts.“ Er erklärt, dass nicht nur Innsbruck, sondern Europa ein Problem mit Marokkanern habe. „Der Druck auf Marokko muss erhöht werden, immerhin gehen viele Geldmittel dorthin.“

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„Ein Bürgermeister Rudi Federspiel würde mit den Nordafrikanern anders ums Eck fahren“, verkündet der FPÖ-Stadtparteiobmann. Auf die Nachfrage, wie das konkret ausschauen würde, erklärt Federspiel: „Ich würde sie Tag und Nacht kontrollieren und so lange lästig sein, bis sie die Stadt verlassen.“ Bis es so weit sei, verlangt Federspiel politische Rückendeckung und Personal für die Polizei.

Ungewohnt harte Worte kommen von der SPÖ: „Ich bekomme eine Wut im Bauch, weil es keine Gesetze gibt, um die Situation in den Griff zu bekommen“, sagt Helmut Buchacher. Man gerate sofort ins rechte Eck, wenn man das sage, aber „es kann nicht sein, dass wir straffällige Ausländer nicht außer Landes bringen können“. Die SPÖ habe die Probleme in Innsbruck bereits bei Parteikollege Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil deponiert.

Marcela Duftner von den Grünen erklärt, dass sich eine Stadt nun mal verändere und das manche verunsichere. „Meiner Wahrnehmung nach spielen viele Kinder im Rapoldipark und es halten sich auch Einheimische dort auf.“ Der Anrainerin habe man einen Lokalaugenschein angeboten – dieser wurde allerdings abgelehnt. „Wir überlegen uns Lösungen“, verspricht Duftner.

Die Schilderungen der Rapoldipark-Anrainerin sind natürlich auch dem Stadtpolizeikommandanten Martin Kirchler bekannt. Sie habe dahingehend Recht, dass sich die nordafrikanische Suchtgiftszene vermehrt auf der Sill­insel aufhalte, ihren Geschäfte nachgehe und mitunter auch Frauen belästigt würden, wenngleich die Anrainerin die Situation „deutlich überspitzt“ beschreibe. „Wir brauchen auch nichts schönreden. Natürlich werden Delikte von Nordafrikanern und von Asylwerbern begangen, aber die Zahl ist nicht massiv gestiegen.“ Insgesamt sei in Innsbruck beispielsweise die Anzahl der Körperverletzungen zurückgegangen, jene der Sexualdelikte im Vergleich zum Vorjahr hingegen gestiegen. „Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren auch schon deutlich höhere Werte.“ Insgesamt ist die Zahl der Straftaten heuer um 9 Prozent rückläufig.

Warum sich Menschen in Innsbruck vermehrt unsicher fühlen, führt Kirchler auf die zunehmende Präsenz von Männern, die dem Aussehen nach den Mitgliedern der nordafrikanischen Suchtgiftszene ähneln, zurück. „Manche muten ihnen dadurch ähnliche kriminelle Aktivitäten zu“, erklärt der Stadtpolizeikommandant.

Die Situation rund um den Rapoldipark habe die Polizei durch massiven Kontrolldruck stark in den Griff bekommen, betont Kirchler. Die Exekutive stößt aber auch an ihre Grenzen. Gelöst werden kann das Problem mit den Dealern polizeilich nicht. Das liege einerseits an der „endenwollenden Abschreckung der Folgen – diese Männer haben nichts zu verlieren – und der beschränkten Möglichkeit, Nordafrikaner abzuschieben“.