Letztes Update am Di, 15.11.2016 14:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheitsversorgung

Tirols Opposition schießt sich auf Gesundheitslandesrat Tilg ein

Die Gesundheitsversorgung liege hierzulande teils im Argen, wie die Oppositionsparteien in einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärten, und die Verantwortung dafür trage der Landesrat.

© BöhmÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg.



Innsbruck - Die Tiroler Opposition hat sich geschlossen auf Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) eingeschossen. Tilg trage die Verantwortung dafür, dass die Gesundheitsversorgung hierzulande teils im Argen liege, lautete der Tenor. Als Beleg dafür wurden die jüngsten Querelen zwischen Med-Uni und tirol kliniken im Zusammenhang mit der Pathologie und der „Personaladerlass“ an der Kinderherzklinik genannt.

Gemeinsame Pressekonferenz der Oppositionsparteien

Daher verlangen die vier Oppositionsparteien im Landtag - SPÖ, FPÖ, impuls-tirol, Liste Fritz - sowie die freie Landtagsabgeordnete Andrea Krumschnabel von Tilg Aufklärung mittels Dringlicher Anfrage, wie es bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Dienstag in Innsbruck hieß. „Und wir gehen davon aus, dass die Dringlichkeit zuerkannt wird“, betonte Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider. Denn schließlich müsse es wohl im Interesse des Gesundheitslandesrates liegen, öffentlich Stellung zu nehmen.

Neben den Problemen an der Pathologie und der Kinderherzklinik kritisierte Haselwanter-Schneider zudem den 2014 geschlossenen Zusammenarbeitsvertrag zwischen Med-Uni und tirol kliniken: „Dieser ist offensichtlich das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben steht“. Tilg sei seit acht Jahren für die Tiroler Gesundheitsversorgung zuständig, „und wir sind von der Champions League in die Regionalliga West abgestiegen“. Dabei habe der Landtag - wann immer notwendig - Gelder für den Gesundheitsbereich freigegeben.

Reheis: Medizinstandort Innsbruck darf „nicht ramponiert werden“

„Wir haben eine gemeinsame Sorge wegen der Zustände an der Klinik“, meinte SPÖ-Klubobmann Gerhard Reheis. Mit der Dringlichen Anfrage wolle man Tilg Gelegenheit geben, in einer sachlichen Debatte Stellung zu nehmen. Schließlich gehe es hier um „das Wohl der Menschen“. Der renommierte Medizinstandort Innsbruck dürfe nicht ramponiert werden.

FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger strich hervor, dass es viele Punkte gebe, bei denen das Gemeinsame in der Opposition im Vordergrund stehe. „Es gibt viele Entwicklungen, wo wir mit der schwarz-grünen Landesregierung nicht einverstanden sind“, sagte Abwerzger, der viele „Baustellen“ im Land ortete. Eine davon sei die Krankenversorgung: „Da darf nicht gespart werden“. Von einem ehemals international beachteten Standort sei man mittlerweile zum Mittelmaß geworden. Zudem zeichne sich ein „riesiger Ärztemangel“ ab.

Zwölfer: Lange Wartezeiten und mehrfache Fahrten „untragbar“

„Eine verlässliche Grundversorgung in der Medizin hat für uns oberste Priorität“, argumentierte Impuls-Abgeordnete Maria Zwölfer. Der Bevölkerung bereite gerade dieses Thema „große Sorgen“. Es sei untragbar, dass Menschen aus der Peripherie laufend lange Wartezeiten und mehrfache Fahrten in Kauf nehmen müssen, um untersucht zu werden. Ähnlich fiel die Diagnose der freien Abgeordneten Andrea Krumschnabel aus: „Es herrscht Verunsicherung. Und die Bevölkerung erwartet, dass die Politik steuert“.

Einen Misstrauensantrag wolle man Tilg noch nicht ins Fenster stellen. „Wir erwarten, dass er arbeitet“, so Abwerzger. Sollte dies aber nicht erfolgen, dann stünden weitere parlamentarische Mittel zur Verfügung.

Ablehnung von der ÖVP

Die Tiroler ÖVP kann die oppositionelle Kritik nicht nachvollziehen. Aussagen, dass es in Tirol nur mehr eine mittelmäßige, ja womöglich sogar Zwei-Klassen-Medizin gäbe, sind klar zurückzuweisen, betonte Gesundheitssprecher, LAbg. Stefan Weirather am Dienstag: „Diese Politik des Schlechtredens und der Angstmache lehnen wir strikt ab“.

„Mangels eigener Themen“ habe es sich die Opposition zur Gewohnheit gemacht, „eine Attacke nach der anderen gegen die Tiroler Gesundheitsversorgung und den Gesundheitslandesrat zu reiten“. Dank Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sei beim Finanzausgleich gerade für die Patientenversorgung finanziell viel erreicht worden.

tirol kliniken verteidigen sich

Auch die tirol kliniken meldeten sich am Dienstag zu dem von den Oppositionsparteien kritisierten Themenkomplex „Pathologie“ zu Wort: Seit mittlerweile zwei Wochen laufe die eigenständige pathologische Befundung in Kooperation mit einem niedergelassenen Pathologen, und eine erste Bilanz falle „positiv“ aus, hieß es in einer Aussendung.

Die Medizinische Universität Innsbruck hatte angekündigt, den Vertrag im Bereich der Diagnostik der Pathologie vorzeitig mit 11. November zu kündigen, nachdem der landeseigene Krankenhauserhalter bekannt gegeben hatte, sich von der Pathologie zurückziehen zu wollen. Seit 7. November laufe die Kooperation mit dem niedergelassenen Pathologen, so die tirol kliniken.

(APA)