Letztes Update am Mi, 16.11.2016 15:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

„Runder Tisch“ zu Skigebieten beschäftigt Tiroler Landtag

Die Opposition kritisierte generell die Tourismus-Politik von Schwarz-Grün. Landeshauptmann Platter verweist auf das geltende Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm.

© boehmSymbolfoto



Innsbruck — Die Forderungen von Alpenverein und Alpenschutzkommission CIPRA nach einem „Runden Tisch" bzw. einem Moratorium beim Ausbau von Skigebieten (Die Tiroler Tageszeitung berichtete) haben am Mittwoch den Tiroler Landtag beschäftigt. LH Günther Platter (ÖVP) lehnte einen solchen „Runden Tisch" mit dem Hinweis auf das geltende Tiroler Seilbahn-und Skigebietsprogramm weiter ab. Vor allem die SPÖ reagierte mit Unverständnis.

Die Forderung war von ÖAV-Präsident Andreas Ermacora Ende September im APA-Gespräch aufs Tapet gebracht worden. „Ich möchte nicht eine falsche Erwartungshaltung wecken, die dazu führt, dass dann wieder alle beleidigt sind", begründete Platter sein Nicht-Platz-Nehmen an einem „Runden Tisch" in der Fragestunde des Landesparlaments. Das Seilbahn- und Skigebietsprogramm (TSSP) gelte bis Ende 2018. Es könne nicht sein, dass man „von heute auf morgen aufgrund eines Zurufes" eine Veränderung vornehme.

Diskussionsprozess soll stattfinden

Im Jahr 2018, vor Auslaufen des Programmes, werde dann ein Diskussionsprozess unter Einbeziehung aller Beteiligten stattfinden. Der Landeschef betonte, dass aufgrund dieses Programmes Neuerschließungen nicht möglich seien. Erweiterungen seien nur bei eindeutigen Begründungen machbar. Darüber hinaus brauche es naturschutzrechtliche Genehmigungen und bei größeren Projekten UVP-Verfahren.

„Ich verstehe nicht, dass Sie sich gegen einen Reformprozess am ?Runden Tisch' sträuben", kritisierte SPÖ-LAbg. Thomas Pupp. Notwendig sei ein „partizipativer Prozess", der einen Gewinn für das Land Tirol und eine „Win-win-Situation" darstellen könne.

"Würgergriff der Grünen"

Die Debatte einwickelte sich mitunter von der reinen Diskussion um Skigebiete und Seilbahnen hin zur generellen Tourismuspolitik der schwarz-grünen Landesregierung. FPÖ-Klubobmann Rudi Federspiel ortete eine „sehr verbesserungswürdige Performance". „Für die ÖVP wäre es besser, wenn sie sich aus dem Würgegriff der Grünen lösen würde", sah Federspiel eine tourismuspolitische Dominanz des kleinen Koalitionspartners. Der freiheitliche Klubchef trat für „sinnvolle Skigebietszusammenschlüsse" ein. Neue Gebiete würden von den Seilbahnen nicht erschlossen werden.

Federspiels Debattenbeitrag sorgte für Verärgerung bei Platter. Er kritisierte eine angebliche „Polemik und Schlechtrederei des Tourismus". Dabei habe es in der vergangenen Wintersaison so viele Nächtigungen wie noch nie in Tirol gegeben. Zudem brauche es beides - sowohl erschlossene Gebiete als auch den sanften Tourismus, der immer größeres Interesse nach sich ziehe.

"Zwei Wochen Bespaßung"

LHStv. Ingrid Felipe (Grüne), die nach der Forderung von CIPRA und Alpenverein einer „Nachdenkpause" einiges abgewinnen hatte können, sprach sich wie Platter für einen breiten Diskussionsprozess aller Beteiligten im Jahr 2018 aus. Zudem sei es ja auch niemandem verboten, bis dahin nachzudenken und seine Vorstellungen zu präsentieren. Felipe strich wie Grünen-Klubobmann Gebi Mair die neuen Akzente in der Tiroler Tourismuspolitik seit dem Start von Schwarz-Grün hervor, die sich etwa im sanften Tourismus sowie in der steigenden Bedeutung des öffentlichen Verkehrs widerspiegeln würden.
Liste Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider schoss sich vor allem in Sachen einer möglichen Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 auf Platter und die ÖVP ein. Man setze auf Mega-Events mit „zwei Wochen Bespaßung", anstatt sich um Nachhaltigkeit und Nachnutzung zu kümmern. „impuls tirol"-LAbg. Josef Schett sprach sich für eine stärkere Tourismus- Lobby.

Seilbahner wehren sich gegen "Gerücht um Skipisten-Kühlung"

Die von Umweltvertretern ebenfalls angestoßene Diskussion rund um die Kühlung von Skipisten hat am Mittwoch Vertreter der Seilbahnwirtschaft auf den Plan gerufen. Dass in Westösterreich derartige Projekte gestartet worden sind, sei unwahr und ein "Gerücht", meinten Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen, und Hannes Parth, Vorstand der Silvretta Seilbahn AG, in einer Aussendung.

"Diesen Unwahrheiten im Namen des Umweltschutzes werden wir entschieden entgegentreten. Ein solches Projekt existiert schlichtweg nicht", kritisierte Hörl, der auch rechtliche Schritte nicht ausschloss. Die Auseinandersetzung rund um die Beschneiung von Skipisten sei auf sachlicher Ebene zu führen.

Der Salzburger Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener hatte im Ö1-"Morgenjournal" unter anderem bemängelt, dass das Beschneiungswasser zuvor gekühlt werden müsse. Zudem brachte er die Kühlung von Skipisten ins Spiel. "Anscheinend" gebe es bereits derartige Projekte im Westen Österreichs. Er halte das für eine "dramatische Entwicklung", die in Richtung "Disneyland" gehe, so Wiener.

Karibikflug verbraucht "gleich viel Energie, wie 97.000 Skitage"

"In der Frage der technischen Beschneiung scheinen dem Umweltschutz die Argumente auszugehen. Anders ist die aktuelle Vorgangsweise nicht erklärbar", meinte Parth, der in diesem Zusammenhang die Salzburger Landesregierung "aufforderte, ihren Umweltanwalt in seiner auf Unwahrheiten basierenden Angriffigkeit einzubremsen".

Die Seilbahnvertreter führten zur Verteidigung der Beschneiungspraxis zudem ins Treffen, dass alle österreichischen Skigebiete samt Beschneiung weniger Strom verbrauchen würden als ein mittelständisches heimisches Industrieunternehmen. Und ein Karibik-Flug für 180 Menschen verbrauche gleich viel Energie wie der Betrieb von 97.000 Skitagen. Auch dass in Österreich 85 Prozent der für die Beschneiung verwendeten Energie erneuerbar sind, brachten die beiden vor. (APA)