Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.11.2016


Exklusiv

Kritik an Doppelgleisigkeiten bei der Standortagentur

Bundesrechnungshof regt Analyse der Aufgaben und der Wirkung der Förderungen an. Beteiligung am Gründerzentrum wird in Frage gestellt.

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© Andreas Rottensteiner / TT



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Standortagentur Tirol ist eine zentrale Schnittstelle, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu stärken und Betriebsansiedelungen zu fördern. Träger ist das Land Tirol. Gleichzeitig geht es um die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und anerkannten Institutionen – insbesondere in Form von Clustern. Das jährliche Budget beträgt rund sieben Millionen Euro, 3,5 Millionen Euro steuert das Land aus dem Budget via Zukunftsstiftung bei. Das Fondskapital der Zukunftsstiftung wird mit rund sechs Millionen Euro beziffert. Die Standortagentur beschäftigt 40 Mitarbeiter und ist am Gründerzentrum CAST für Start-up-Unternehmen sowie am Krebsforschungszentrum Oncotyrol beteiligt.

Wie zielgerichtet die Standortagentur arbeitet, hat der Bundesrechnungshof (RH) jetzt analysiert. Seit wenigen Tagen liegt der Bericht vor. Einmal mehr werden Überschneidungen bei den Aufgaben kritisiert. Zum einen bemängelt der RH, dass die bestehenden Schnittstellen zwischen dem Land und dem Fonds nicht klar strukturiert und formalisiert sind, die getroffene Aufgabenverteilung wäre schriftlich zu dokumentieren und den Förderungswerbern zu kommunizieren. Gleichzeitig wird der Standortagentur und dem Land Tirol empfohlen, vor dem Hintergrund der Entwicklung des Fondskapitals eine Evaluierung der Aufgaben und Wirkungen der Standortagentur Tirol durchzuführen. Auf diese drängt Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl (VP) bekanntlich schon seit Jahren. Wie das Wirtschafts-LR Patrizia Zoller-Frischauf (VP) in ihrer Stellungnahme zum RH-Bericht betont, stehen die Aufgaben und Wirkungen im Bereich der Förderungen, der Betriebsansiedlungen und der Cluster wiederum auf dem Prüfstand.

Den größten Handlungsbedarf ortet der Rechnungshof allerdings bei partiellen Überschneidungen mit dem CAST Gründerzentrum. Er regt deshalb an, dass die Standortagentur Tirol und das Land Tirol prüfen sollten, ob eine Beteiligung an der CAST Gründerzentrum GmbH weiterhin zweckmäßig scheint. Die Doppelgleisigkeiten werden nicht als zielführend erachtet. Sie führten bereits in der Vergangenheit zu Diskussionen, die Standortagentur forderte selbst eine stärkere Abgrenzung der Tätigkeiten. An der eigenen Gründerzentrum-Gesellschaft, an der das Management Center Innsbruck sowie die Stammuniversität wie auch die Medizinische Universität Anteile halten, will das Land jedoch festhalten. Ein Mitarbeiter der Standortagentur fungiert jetzt als Geschäftsführer, in enger Abstimmung mit der Standortagentur soll er das CAST neu ausrichten.