Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.11.2016


Bezirk Imst

Milser Dorfgasthaus sorgt für politische Missstimmung

Vor einem Jahr erstand die Gemeinde das Haus. Die Pächtersuche war bislang erfolglos, das Inventar wurde herausgerissen. Das bringt Kritik.

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© Paschinger



Von Alexander Paschinger

Mils – „Mit kleinen Adaptionen hätte man das Gasthaus schon längst zumindest mit einer Zwischenlösung aufsperren können“, ist der Milser Gemeindevorstand Bernhard Schöpf erbost. Stattdessen habe der Bürgermeister Küche und Inventar des ehemaligen Dorfgasthauses herausgerissen. Auf der anderen Seite meint der angegriffene Dorfchef Markus Moser, dass er demnächst ein Gespräch mit einem gemeinnützigen Wohnbauträger führen werde. Ihm selbst schwebt mittlerweile betreutes Wohnen mit einem Tagescafé im Erdgeschoß vor.

Vor einem Jahr hatte das Abenteuer „Dorfgasthaus“ begonnen. Die Gemeinde kaufte das Gebäude letztlich um 350.000 Euro. Doch die Pächtersuche gestaltete sich schwierig. Küche, Fluchtweg aus dem Saal oder ein barrierefreies WC standen ebenfalls einer raschen Wiedereröffnung im Weg. „So hätten wir nicht aufsperren können“, widerspricht Moser dem Gemeindevorstand Schöpf.

„Es gab keinen Gemeinderatsbeschluss“, sagt dieser zum Herausreißen des Innenlebens im Frühjahr. „Aber man hat es im Gemeinderat besprochen – und da gab es keine Gegenstimme“, hält Moser dagegen. Für Schöpf entstand damit ein „Schaden von locker 100.000 Euro“. Den sieht der Bürgermeister freilich nicht. „Für einen Stammtisch oder eine Kartenrunde am Sonntag hätte man vielleicht aufsperren können“, sagt Moser, aber ein Pächter bräuchte auch Zimmer zum Vermieten und „bevor man den Betrieb wieder eröffnen hätte können, hätte man siche­r wieder investieren müssen“. 400.000 Euro, so stand zuletzt im Raum, müsste man aufwenden, um das Gasthaus für die Bevölkerung wieder zugänglich zu machen.

Was übrigens Einrichtung und Inventar betrifft, die im Frühjahr abmontiert wurden, „landete nichts am Müll, sondern wir haben es den Tiroler Sozialen Diensten überlassen“, betont der Dorfchef.

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Der Kauf des Hauses wird sowohl von Moser als auch von Schöpf nach wie vor als richtiger Schritt gesehen. Schöpf kritisiert allerdings, dass man nicht von vornherein einen Fachmann geholt hat. Und nach wie vor ist es Ziel der beiden Kontrahenten, für die Bevölkerung wieder ein Gastlokal in den Ort zu bringen. Zuletzt habe der Imster TVB-Obmann Hannes Staggl das Gebäude als Experte angesehen. Der brachte den Gedanken auf, vielleicht einen gemeinnützigen Wohnbauträger ins Boot zu holen.

„Demnächst habe ich ein Gespräch“, erklärt dazu Moser. In der Region herrsche ohnehin Bedarf an betreutem Wohnen. Das könnte man vielleicht mit einem Tages­café kombinieren. Und auch die Gemeinde käme eine solche Lösung günstiger.