Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.11.2016


Bezirk Schwaz

Öffentliche Mobilität lässt im Zillertal die Köpfe rauchen

Bahnprofis, Touristiker, Land und Gemeinden basteln an der perfekten Anreise für den Gast – ein Thema heute beim TT-Forum in Mayrhofen.

Die Zillertalbahn soll elektrifiziert werden. Das würde die Fahrzeit von Mayrhofen nach Jenbach um 10 Minuten auf 45 Minuten verkürzen.

© ZVBDie Zillertalbahn soll elektrifiziert werden. Das würde die Fahrzeit von Mayrhofen nach Jenbach um 10 Minuten auf 45 Minuten verkürzen.



Von Angela Dähling

Mayrhofen – Die einen nennen es „die falsche Botschaft“ im staugeplagten Zillertal, die anderen gewinnen ihm viel Positives ab. Die Rede ist vom Auto+Skipass-Paket, das das Skizentrum Hochzillertal und der Carsharing-Anbieter DriveNow neuerdings anbieten. „In München haben 50 % der Führerscheinbesitzer kein Auto mehr. Das Angebot richtet sich an sie, sofern sie Mitglied bei dem Carsharing-Anbieter sind“, argumentiert Martha Schultz vom Skizentrum Hochzillertal. Einen Leih-BMW oder -Mini, 350 Freikilometer, Tagesskipass, reservierten Parkplatz und Begrüßungsdrink umfasst die Pauschale, auf die auf der Homepage der Zillertal Tourismus GmbH hingewiesen wird. Deren Geschäftsführer Gernot Paesold war zuvor bei BMW in Salzburg im Marketing tätig. Mit ein Grund, warum es im Zillertal so viele Kooperationen mit BMW gibt? „Natürlich ist es einfacher, wenn man die Leute bei BMW kennt und weiß, mit wem man reden muss“, antwortet Paesold.

Geredet wird indes mit den Trägern des öffentlichen Verkehrs offenbar zu wenig. Während Paesold den ÖBB vorwirft, von ihnen Informationen über Fahrpläne und Neuerungen viel zu spät zu erhalten, findet auch ÖBB-Sprecher René Zumtobel kritische Worte in Richtung Zillertal Tourismus. „Auch Tourismusregionen müssen Interesse haben, dass mehr Gäste mit Öffis anreisen. St. Anton, Kitzbühel und der Wilde Kaiser haben das verstanden. Aber im Zillertal muss schon mehr passieren“, sagt er. Denn die TVB hätten den direkten Draht zu den Vermietern und könnten sie animieren, Gäste auf eine Bahnanreise hinzuweisen.

Am 11. Dezember bringt, wie berichtet, der ÖBB-Nachtzug Urlauber aus deutschen Großstädten über Nacht bis Tirol bzw. Jenbach. Ein direkter Anschluss an die Zillertalbahn ist gegeben. „Wir haben schon 10.000 Buchungen“, freut sich Zumtobel.

Seitens der Touristiker wird kritisiert, dass der mit der Bahn anreisende Urlauber aber auch vor Ort mobil sein wolle, vor allem, wenn er abgelegen nächtige. Gästen, die abseits der Zugroute wie etwa in Hochfügen oder Gerlos urlauben, soll ab Jenbach zumindest ein Hotel-Transfer mit „Four Seasons Travel“ angeboten werden. „Er wäre vorab online zu buchen“, erklärt Paesold. Ziel könne nicht sein, dass Hotelbusse in Kolonnen nach Jenbach fahren. Fix ist das Transferangebot noch nicht. „Wir versuchen seit einem halben Jahr, die Geschäftsführer der Zillertalbahn und Four Seasons für eine Zusammenarbeit an einen Tisch zu bekommen“, sagt Paesold.

Apropos Zillertaler Verkehrsbetriebe: Geschätzte 2,2 Mio. Fahrgäste transportiert laut Angaben der ZVB die Zillertalbahn jährlich. Die meisten davon sind Sommerurlauber, die die Z-Aktivcard besitzen. 130.000 Skifahrer haben den Superskipass als Zugticket. „Diese Zahl wird aber wieder steigen, da mit diesem Skipass künftig auch wieder Gratis-Ausflugsfahrten mit der Bahn möglich sein werden“, informiert ZVB-Direktor Wolfgang Stöhr. Das Skigebiet Hochzillertal bringt Tagesgäste übrigens auch per Bus ins Tal. „Fünf Mal wöchentlich fährt der Autobus Oberbayern von München aus zu uns. Im Pauschalangebot sind Frühstück im Bus, Zeitungen und der Skipass enthalten“, schildert Martha Schultz.

Derzeit reisen 5 bis 6 Prozent der Gäste mit der Bahn an. Wie man diesen Anteil zu steigern gedenkt, wird ein Thema beim TT-Forum heute um 19.30 Uhr im Europahaus in Mayrhofen sein. Das Verkehrskonzept Mayrhofen wird ebenfalls unter die Lupe genommen.