Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.12.2016


Alemagna-Autobahn

Kartitscher Nein zu neuen Transitachsen

Der Bürgermeister erteilte bei der Jubiläumsfeier der Alpenkonvention neuen Bestrebungen in Ost- und Südtirol eine deutliche Absage.

© dpaSymbolfoto.



Von Catharina Oblasser

Kartitsch – Trotz des Neins aus Brüssel zur so genannten Alemagna-Autobahn von Italien Richtung Deutschland lassen norditalienische Interessengruppen nicht locker: Erst unlängst kam es zu einem Treffen in Lienz zwischen einer Abordnung aus Norditalien, den Obmännern der drei Osttiroler Planungsverbände und den Touristikern Franz Theurl und Werner Frömel. Ebenfalls mit dabei: der italienische EU-Abgeordnete Rem­o Sernagiotto.

Das Treffen beweist: Die Verlängerung der Alemagna-Autobahn durch Tirol ist – zumindest in den Köpfen vieler Lobbyisten – noch lange nicht tot. Denn beim Treffen in Lienz war genau das ein Gesprächsthema, wie aus einer Presseaussendung der Planungsverbands-Obmänner hervorgeht. Verbandsobmann für das Pustertal ist der Obertilliacher Bürgermeister Mathias Scherer. Das Nein aus Brüssel zu allen Alemagna-Plänen beeindruckt ihn nicht. „Man sollte sich alle Pläne einmal anhören“, meint er gegenüber der TT.

Scherers Nachbarbürgermeister Josef Außerlechner aus Kartitsch ist da anderer Meinung. Kartitsch kommt in den Alemagna-Plänen prominent vor: als Endpunkt des so genannten Cavallino-Tunnels, einer Variante der Strecke von Norditalien über Österreich nach Deutschland.

Am Sonntagabend feierte die Gemeinde das 25-Jahr-Jubiläum der Rahmenvereinbarung für die Alpenkonvention. Diese besagt, dass keine neuen alpenquerenden Transitrouten errichtet werden dürfen. Und darauf pocht Außerlechner auch. Die Begründung der Befürworter, dass dadurch die Abwanderung eingebremst würde, ist für den Kartitscher Bürgermeister falsch. „Die Gemeinden an der Tauernautobahn haben dadurch auch keinen Aufschwung erlebt.“ Unter einer neue Transitschneise würde ganz Osttirol leiden, egal wo sie verläuft, ist Außerlechner sicher. „Ich habe auch mit anderen Bürgermeistern in Südtirol gesprochen und viele gefunden, die mit mir einer Meinung sind. Im Notfall gibt es noch rechtliche Mittel“, erklärt der Ortschef.

TVB-Vorstand LA Josef Schett (impuls-tirol) rügt die Teilnahme seiner Tourismus-Kollegen an dem Treffen: „Eine Autobahn mitten durch die einzigartige Osttiroler Landschaft wäre fatal.“